Sie sind nicht stumm und stehen auch nicht im Wasser: In Italien protestiert die sogenannte "Sardinen-Bewegung" gegen die rechte Lega und Matteo Salvini.

Die Sardine entwickelt sich in Italien zum politischen Symbol – gegen Matteo Salvini und seine rechtsradikale Partei Lega. Seit Mitte November gibt es in Italien sogenannte "Sardinen"-Proteste. Bei den Regionalwahlen in der zentralitalienischen Region Umbrien Ende Oktober hatte die Lega einen deutlichen Sieg errungen.

Matteo Salvini hofft auf einen weiteren Sieg Ende Januar in der nordöstlichen Region Emilia Romagna. Die Sardinen-Bewegung grenzt sich inhaltlich klar von ihm und der Rechten ab, sagt Jörg Seisselberg, ARD-Korrespondent für Italien. Sie will die Lega, diese nationale, anti-europäische Bewegung, stoppen.

"Die Sardinen-Bewegung möchte verhindern, dass Matteo Salvini, der Chef der rechten Lega, die Macht in Italien übernimmt."
Jörg Seisselberg, ARD-Korrespondent für Italien

Mitte November formierte sich daraufhin die Sardinen-Bewegung durch eine Initiative bis dahin unbekannter Aktivisten aus Bologna: Die wollten in der Stadt mehr Demonstranten zusammenzubringen als Matteo Salvini. Da der Platz begrenzt war, mussten die Demonstrierenden eng beisammen stehen – eben wie Sardinen. Daraus leiten die Aktivisten seither den Namen der Bewegung ab.

Fische als Protestsymbol

In Florenz waren am Samstag (30.11.2019) zehntausende Sardinen-Demonstranten auf die Straße gegangen: hauptsächlich Studierende, junge Berufstätige und Familien mit Kindern. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich dort etwa 40.000 Menschen an dem Protest.

"Jede Sardine hat das Recht auf Existenz", skandierten sie auf dem Platz der Republik im Zentrum der Stadt. Auf Flaggen und Banner politischer Parteien oder Vereinigungen verzichteten die Demonstrierenden. Stattdessen hielten viele Plakate in Form einer Sardine in die Höhe. Unser Bild oben zeigt die Demonstration in Padua am Sonntag (01.12.2019).

Rom als Ziel

Bisher haben etwa zehn Demonstrationen stattgefunden – von Verona im Norden bis Palermo im Süden. Als besonderen Termin hat die Bewegung den 14.12.2019 ins Auge gefasst. An diesem Tag sollen in Rom eine Million Menschen zusammenkommen, berichtet unser Korrespondent.

Matteo Salvini versuche unterdessen, den Sardinen mit Ironie zu begegnen, sagt Jörg Seisselberg. Das beständige Wachsen der Gegenbewegung könne dem Politiker aber nicht gefallen.

"Die Tatsache, dass diese Bewegung jede Woche wächst, dürfte ihm politisch nicht wirklich genehm sein."
Jörg Seisselberg, Korrespondent für Italien