Der Brandanschlag auf eine palästinensische Familie Ende Juli hat ein altes Problem neu in die Öffentlichkeit gerückt: Jüdischer Extremismus im Westjordanland. In einigen Dörfern schließen sich Palästinenser in Bürgerwehren zusammen, um sich zu schützen.

Im Westjordanland liegen palästinensische Dörfer und jüdische Siedlungen zum Teil sehr nah beieinander, berichtet unser Israel-Korrespondent Tim Aßmann. Schon vor dem aufsehenerregenden Brandanschlag vom 31. Juli in dem Dorf Duma, hinter dem jüdische Extremisten vermutet werden und durch den ein palästinensisches Kleinkind und sein Vater ums Leben kamen, habe es ähnliche Übergriffe auf Palästinenser gegeben: Dabei wurden Olivenfelder zerstört, auf palästinensische Wassertanks geschossen oder Moscheen in Brand gesteckt.

Vom Staat im Stich gelassen

Um sich gegen solche Angriffe einer radikalen Minderheit unter jüdischen Siedlern in der Umgebung zu schützen, haben sich in manchen Dörfern palästinensische Männer zu Bürgerwehren zusammengeschlossen. Da sie sich von israelischen Sicherheitskräften im Stich gelassen fühlen, halten sie selbst abwechselnd Nachtwache oder halten vorbeifahrende Autos an. Statistiken israelischer Menschenrechtsorganisationen bestätigen, dass Anzeigen palästinensischer Bürger nach Verwüstungen bei den israelischen Behörden oft im Sande verlaufen.

"In dem Ort, in dem ich war, haben etwa 40 bis 50 Leute mitgemacht und Nachtwache gehalten."
Israel-Korrespondent Tim Aßmann hat eine palästinensische Bürgerwehr getroffen

Nach israelischem Recht sind solche selbstorganisierten palästinensischen Bürgerwehren illegal. Dass die israelische Regierung gegen sie vorgehen wird, glaubt unser Korrespondent allerdings nicht: Dafür ständen die Behörden nach den letzten Anschlägen auf Palästinenser national und international zu stark unter Druck.