• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

In Frankreich werden Singvögel mit Klebemasse gefangen: Die sogenannte Leimrutenjagd ist in der EU eigentlich verboten. Doch in Südfrankreich gibt es bislang Ausnahmen. Der Europäische Gerichtshof entscheidet nun, ob die Leimrutenjagd verboten wird. Doch Singvögel werden auch anders gejagt und als teure Delikatesse serviert.

Früher wurde in Frankreich die Leimrutenjagd genutzt, um Singvögel zu fangen und zu essen. Deshalb auch der Trick mit der klebrigen Masse, so unser Reporter Sebastian Sonntag. "So kann man Vögel fangen, ohne ihren Körper zu verletzen." Mittlerweile ist aus der Jagd aber eher ein Sport geworden, bei dem es darum geht, wer die meisten Amseln oder andere Drosseln fängt.

"Bei der Leimrutenjagd geht es darum, wer die meisten Amseln oder andere Drosseln fängt."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

In wenigen Departements in Südfrankreich ist die Jagd bis heute erlaubt, wenn auch unter Auflagen: Dazu gehört, dass die Zahl der gefangenen Vögel pro Jahr begrenzt ist. Auch müssen die Jägerinnen und Jäger bei der Rute bleiben, wenn sie sie auslegen. Sie sollen die Vögel zügig befreien, damit sie sich nicht verletzen oder vom Flattern vor Erschöpfung sterben.

Auf Zypern werden Vögel per Leimruten gefangen, dafür werden Äste mit klebriger Masse beschmiert. Im Foto sind zwei Tierschützer zu sehen, die die Äste entfernen (Mai, 2012)
© picture alliance I AP Images | David Guttenfelder
Auch auf Zypern werden Singvögel noch per Leimrute gefangen. Das ruft Vogelschützer auf den Plan, die wie hier die klebrigen Äste wieder entfernen.

Tierschützer lehnen die Leimrutenjagd ab

Ob die Auflagen eingehalten werden, das bezweifeln Tierschützerinnen und Tierschützer jedoch. Und es gibt noch ein Problem: den "Beifang". Denn auch andere geschützte Vogelarten gehen in die Falle.

Auch wenn die Jagd teils noch erlaubt ist: Es ist verboten, Singvögel zu essen. Doch daran halten sich nicht alle. In Südfrankreich landet der Ortolan (im großen Foto oben zu sehen) in einigen Regionen weiterhin auf dem Teller, so Sebastian Sonntag. Der Singvogel ist auch unter dem Namen Gartenammer bekannt. Und weil der Fang eigentlich verboten ist, ist das Ortolan-Menü teuer: ab 500 Euro.

"In Südfrankreich gilt zum Beispiel der Ortolan in einigen Regionen nach wie vor als Delikatesse."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Diese Vögel werden nicht mit der Leimrute gejagt und gefangen, sondern mit Ködern und Lebendfallen. Häufig dient ein bereits gefangener Ortolan als Lockvogel. Nach dem Fang werden die Tiere für zwei bis drei Wochen gemästet. Die Singvögel bekommen reichlich Körnerfutter, denn sie werden später komplett verzehrt – mit Knochen und Innereien. Getötet werden die Tiere mit Schnaps.

Das widerspricht teuren Vogelschutzprogrammen in der EU

Jedes Jahr werden schätzungsweise 30.000 Ortolane gefangen. An einzelnen Orten in Südfrankreich wird die Jagd wohl seitens der Polizei geduldet, so Sebastian Sonntag. Und geringe Geldstrafen von rund 80 bis 100 Euro schrecken kaum ab, wenn ein Ortolan auf dem Schwarzmarkt bis zu 300 Euro bringt.

Dass in Frankreich nur zögerlich gegen die Wilderei vorgegangen wird, untergräbt natürlich auch teure Programme für den Vogelschutz in den anderen EU-Ländern.

Aber nicht nur in Frankreich wird Jagd auf Singvögel gemacht, auch in Italien. Dort gelten Berg- und Buchfinken als Delikatessen, so Sebastian Sonntag. Auf die haben es jedes Jahr über 800.000 registrierte Jägerinnen und Jäger abgesehen.

Die Jagd auf Singvögel ist besonders verwerflich, weil viele Arten vom Aussterben bedroht sind und Schutz brauchen.