Veränderungswille, Veränderungsideen und die Kraft dazu: Manchmal erleben wir förmlich einen Frühjahrskick. Dafür gibt es handfeste Gründe – und ein paar Ideen, wohin sich diese besondere Superkraft lenken lässt, gibt es auch.
Das Aufbruchsgefühl im Frühling, das viele Menschen erleben, hat biologische Gründe. Kurz gesagt: Mehr Tageslicht lässt den Melatoninspiegel sinken "Wir sind weniger müde", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Franzi Schork. Gleichzeitig steigt die Serotoninproduktion. Und das hebt allgemein die Stimmung, steigert Antrieb und Motivation. "Vor allem auch die Motivation, etwas verändern zu wollen", sagt Franzi Schork.
Im Privaten zeigen sich die Effekte häufig im Wohnbereich. Swetlana Fischer ist Wohnpsychologin und betont die Rolle der Selbstwirksamkeit.
Wohnung als Organ
Die Wohnumgebung vergleicht sie mit unserem flächenmäßig größten Sinnesorgan – der Haut.
"Unsere Wohnung ist unsere dritte Haut. Das schützt uns von außen, das schützt uns vor Blicken von außen, das schützt uns von Unwettern. Diese dritte Haut zu pflegen, ist wie unsere Haut zu pflegen."
Sichtbare Veränderungen geben uns ein Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit. Und das kann echtes Glück bedeuten.
Umräumen als Chance
Wenn wir im Frühling beispielsweise Möbel verschieben, wechseln wir auch unsere Perspektiven, findet Swetlana Fischer. "Unsere Räume wirken stärker auf uns, als wir denken", sagt sie.
"Mit Ausmisten, Umstellen, neu gestalten kommt ein ganz starkes Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit, weil wenn wir Selbstwirksamkeit erleben, macht uns das glücklich."
Psychologisch betrachtet sind solche Übergänge und Veränderungen wichtig. Sie markieren den Anfang von etwas Neuem. Um mit Veränderungen an der richtigen Stelle anzusetzen, helfen ein paar grundlegende Fragen. Wer beispielsweise seine Couch umstellen möchte, könnte vorher klären:
- Was will ich damit erreichen?
- Was macht das für mich einfacher?
- Oder: Welchen Blick genieße ich dann mehr?
"Ich kann jetzt aufgrund der Tatsache, dass es länger hell ist und ich mich jetzt nicht so ein bisschen verstecken muss, die Vorhänge schon zur Seite ziehen und mehr Licht in die Räume lassen."
Was beim Frühjahrsputz genau verändert wird, ist sehr individuell. Manchmal helfen auch schon Kleinigkeiten: Blumen in der Wohnung und gezieltes Rausgehen zum Beispiel.
Der Frühjahrsputz ist also nicht nur Tradition, sondern auch eine Form von Stimmungsregulation, Selbstwirksamkeit und Neuanfang, findet Franzi Schork. Sie sagt: "Vielleicht geht es dabei weniger ums Putzen, sondern um das Gefühl, wieder gestalten zu können."
