In Japan dürften die E-Mail-Postfächer der Behörden relativ leer sein: Die Verwaltung setzt nämlich noch auf die Diskette. Doch die Diskette soll nach über 50 Jahren jetzt auch beim Amt ein Ende finden.

Sie scheint wie eine nostalgische Erinnerung aus der Vergangenheit, die in den 2000er-Jahren immer weiter verdrängt wurde: die Diskette. In Japan ist ihre Hoch-Zeit allerdings nie wirklich zu Ende gegangen – bis jetzt.

Alte Vorschrift, alter Datenträger

Der quadratische Datenträger aus Kunststoff ist in der Verwaltung dort sogar oft noch Pflicht. Die Menschen in Japan müssen Anträge für zum Beispiel Bauvorhaben oder soziale Hilfen auch heute auf einer Diskette beim Amt einreichen. Eine E-Mail ist in solchen Fällen häufig nicht erlaubt.

Diese Pflicht gilt auch für die Mitarbeitenden in den Behörden selbst. Anstatt Dateien auf gemeinsamen Servern abzulegen oder eben als Anhang in einer Mail zu verschicken, sollen sie physische Datenträger benutzen: Rund 1.100 Vorschriften verlangen ausdrücklich Disketten, gut 200 Vorschriften sprechen von CD-Roms und einige wenige setzen auf die Mini-Disc. Digitalisierung klingt anders – besonders in einem technologisch fortschrittlichen Land wie Japan.

Das möchte der neue Minister für digitale Angelegenheiten Japans, Taro Kono, ändern. Das Land soll auch bei Verwaltungsangelegenheiten in der Gegenwart ankommen. Dafür sollen die Ministerien und Behörden erst mal bis Ende des Jahres herausgefunden haben, welche Vorschriften noch auf die Retro-Datenträger setzen.

Die Diskette ist Kult

Technologisch gesehen sind die physischen Datenträger überholt. Die Diskette hat vergangenes Jahr ihren 50. Geburtstag gefeiert. Die meisten werden den quadratischen Datenträger in ihrem Alltag vermutlich nur noch als das Speichersymbol im Schreibprogramm verwenden.

Im Militär, manchen Unternehmen oder auch der Luftfahrt kommt die Diskette allerdings noch heute zum Einsatz. Einige Modelle des Flugzeugs Boeing 747 etwa bekommen ihre Updates weiterhin über eine Diskette eingespielt. Auch manche alten Atomraketen wurden bis vor wenigen Jahren mit Disketten gesteuert. Häufig ist ein alter Computer der Grund für den Einsatz der Retro-Datenträger, der mit den Geräten verbunden ist.

"Mindestens ein Unternehmen produziert auch heute noch Disketten."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dass Japan so lange auf das markante Speichermedium aus Plastik gesetzt hat – dafür gibt es keine wissenschaftliche Erklärung, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. Es sei vielmehr ein Bauchgefühl, geprägt von Vertrautheit und Sicherheit. Die Disketten, CDs und Mini-Dics waren lange beliebte Datenträger und gehörten ähnlich wie das Faxgerät zu einer Art Standardausrüstung. Das Faxgerät soll laut Schätzungen 2018 noch bei ungefähr der Hälfte der Haushalte in Japan gestanden haben.

Die Verwendung von Disketten und Co. ist heute allerdings auch vergleichsweise teuer. Teilweise bieten Onlineshops Disketten mit einem Speicherplatz von 1,4 Megabyte für zwei Euro pro Stück an. Bei einem modernen USB-Stick kostet 1 Megabyte Speicherplatz 0,0006 Euro.