Im Jemen herrscht Krieg. Seit fünf Jahren kämpfen dort die Huthi-Rebellen gegen die international anerkannte Regierung. Schon mehr als 100.000 Menschen sind in dem Konflikt ums Leben gekommen. Es ist das ärmste Land der Welt. Und die Corona-Pandemie verschlimmert die Situation noch mehr.

Karl-Otto Zentel kennt die Situation im Land. Der Generalsekretär von Care Deutschland war selbst im Jemen und hat immer noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, die ihn mit Informationen versorgen. Ihm ist klar: "Die fürchterliche Situation mit Millionen Menschen in Not, hat sich noch weiter verschärft." Care unterstützt die Bevölkerung unter anderem mit Nahrungsmitteln und mit Bargeld.

Circa 30 Millionen Menschen leben in dem Land am Südzipfel der arabischen Halbinsel. 24 Millionen davon seien auf Hilfe und Unterstützung angewiesen, sagt Zentel. Denn während die Friedensgespräche seit fünf Jahren keinen einzigen Schritt vorangekommen, hätten sich die Lebensbedingungen verschlechtert.

"Ohne Frieden wird es in dieser Situation keine Lösung geben."

Die Versorgungslage sei katastrophal, Reserven inzwischen aufgebraucht. "Die Behörden versuchen, etwas zu unternehmen", sagt der Care-Generalsekretär, "aber noch nicht mal die Hälfte der ohnehin wenigen Gesundheitseinrichtungen im Jemen sind noch funktionsfähig." Überall seien die Kriegsfolgen zu spüren, es fehle am Nötigsten. Nur in vier Laboren könnten Corona-Tests durchgeführt werden, das Gesundheitswesen sei am Boden.

Jemens Infrastruktur ist zerstört

Auch die Infrastruktur im Land sei vielerorts zerstört – die Abwasserversorgung zum Beispiel, selbst in der Hauptstadt Aden: "Als ich das letzte Mal in Aden war, konnte man hunderte Meter weit über Straßen fahren, die knietief voll Abwässer gelaufen waren, weil die unterirdischen Rohre kaputt sind und die Pumpstationen nicht mehr funktionieren."

"Das sind ideale Ausbreitungsbedingungen für jegliche Form von Krankheiten in diesem Land – und das bei Menschen, die ohnehin unterernährt sind und denen Vieles fehlt."

Der Jemen braucht Hilfe, doch die ebbt immer mehr ab. Die Vereinten Nationen haben angekündigt, dass mindestens 31 Hilfsprogramme Ende des Monats eingestellt werden müssten, wenn es nicht mehr Geld gebe. Doch auf der Geberkonferenz für den Jemen sind nur 1,35 Milliarden Dollar eingesammelt worden, eine Milliarde weniger als die Hilfsorganisationen gefordert hatten, berichtet die Tagesschau.

Auch die Arbeit von Care Deutschland wäre betroffen. "Wir müssten unsere Projekte zurückfahren und die Menschen werden alleine gelassen", sagt Karl-Otto Zentel. Millionen Menschen müssten dann ohne Hilfe auskommen.

Wenn das passiert,warnt Karl-Otto Zentel, wird es so weiterlaufen: "Sehr sehr viele Menschen, hunderttausende Menschen, würden an Mangelernährung und an Krankheiten sterben."