Im Jemen herrscht seit fast vier Jahren Krieg. Nicht nur die Gewalt bedroht das Leben der Menschen im Land, sondern vor allem auch Hunger und Krankheiten. Hilfsorganisationen und die UN sprechen von der größten humanitären Krise der Welt.

Die Wurzeln des Konflikts im Jemen reichen mindestens ein Jahrzehnt zurück, sagt ARD-Korrespondent Korrespondent Carsten Kühntopp. Vor vier Jahren hat sich die Situation zugespitzt, als Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa überrannten. Seit März 2015 kämpft nun eine internationale arabische Militärkoalition unter der Führung von Saudi-Arabien zusammen mit der international anerkannten jemenitischen Regierung gegen die Huthi-Rebellen. 

Der innerjemenitische Konflikt bekommt immer mehr die Züge eines Stellvertreterkriegs, so Carsten Kühntopp. Denn die Huthis werden vom Iran unterstützt, die jemenitische Regierung von Saudi-Arabien.

14 Millionen Menschen droht der Hungertod

Das Ergebnis ist die größte humanitäre Krise der Welt. Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen warnen immer wieder vor einer dramatischen Hungersnot. Rund 14 Millionen Menschen könnten davon betroffen sein.

"Manche Eltern hungern über Tage, damit Kinder überhaupt eine Mahlzeit bekommen", berichtet Carsten Kühntopp. Die Währung verfällt immer weiter. Das führt dazu, dass Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, Zucker oder Öl fast doppelt so teuer sind wie 2015. "Wenn es auf dem Markt etwas gibt, können es sich viele Menschen nicht mehr leisten", sagt unser Korrespondent. Die Hilfsorganisation "Save the Children" nennt diesen wirtschaftlichen Zusammenbruch einen "lautlosen Killer". 

"Menschen finden zum Teil nur noch Gras zu essen"
Carsten Kühntopp, ARD-Korrespondent für den Jemen

Zu der Hungersnot kommen Krankheiten. Die Cholera grassiert nach wie vor im Jemen. Und das, obwohl das Ausbreiten der Krankheit durch Zugang zu sauberem Trinkwasser leicht verhindert werden könnte.

Doch die internationalen Hilfsanstrengungen, koordiniert durch die Vereinten Nationen, seien unterfinanziert, erklärt Carsten Kühntopp. Weniger als 50 Prozent von dem, was nötig wäre, ist derzeit im Jemen finanziert. 

Außerdem sei es schwierig, die Hilfsgüter ins Land zu bringen: Die wichtige Hafenstadt Hodeidah ist seit Juni umkämpft - derzeit ist sie in der Hand der Huthi.

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