Die Menschen im Jemen versinken im Bürgerkriegschaos: Zu Bombenangriffen und Hunger kommt auch noch die Cholera, die sich rasend schnell ausbreitet. Dabei ist Cholera eigentlich keine komplizierte Krankheit. Was muss getan werden?

Mehr als 200 Menschen sind in den vergangenen drei Wochen im Jemen an der Cholera gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet, dass über eine Viertelmillionen Menschen in den kommenden Monaten an der gefährlichen Darminfektion erkranken könnten. 

Auch Thomas Nierle, Präsident von Ärzte ohne Grenzen in der Schweiz, glaubt, dass sich die Krankheit weiter ausbreiten wird: "Das Land ist in einem verheerenden Zustand und das Gesundheitssystem durch den Bürgerkrieg extrem geschwächt."

"In der Zwischenzeit sind schon über 25.000 Fälle bekannt, die Dunkelziffer ist sicherlich sehr hoch."
Thomas Nierle, Präsident von Ärzte ohne Grenzen in der Schweiz

Die Cholera ist eine äußerst schwere Magen-Darm-Erkrankung mit infektiöser Ursache, sagt Nierle. Sie führt zu erheblichen Flüssigkeitsverlusten durch Durchfall und Erbrechen. Erkrankte dehydrieren dadurch extrem schnell.

"Es ist eigentlich relativ leicht, dagegen anzugehen - entweder über Infusionen oder oral."
Thomas Nierle, Präsident von Ärzte ohne Grenzen in der Schweiz

Sauberes Trinkwasser fehlt

Viele Erkrankte kommen zu spät in die Krankenhäuser und Cholerazentren, so dass die Ärzte ihnen nicht mehr helfen können. Dass sich in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land die Cholera so rasant ausbreitet, liegt vor allem an den schlechten hygienischen Zuständen und der mangelnden Wasserversorgung.

"Das Bakterium vermehrt sich im Wasser, und sobald das Wasser kontaminiert ist, und die Menschen das trinken, können sie sich sehr schnell infizieren."
Thomas Nierle, Präsident von Ärzte ohne Grenzen in der Schweiz

Um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen, ist neben sauberem Trinkwasser eine rasche Behandlung der Erkrankten notwendig. Dafür müssen Infizierte aber auch in den entlegenen Regionen aktiv gesucht werden, sagt Thomas Nierle. Durch den Bürgerkrieg sind viele Regionen des Landes für humanitäre und medizinische Helfer jedoch unzugänglich. Das macht eine schnelle Eindämmung der Epidemie schwierig.