Mit dem Slogan "Je suis Charlie" drücken viele ihre Solidarität mit den Opfern des Anschlags auf Charlie Hebdo aus. Aber längst nicht alle machen da mit. Sie twittern "Je ne suis pas Charlie".

Solidarität schreibt man im Netz zurzeit mit drei Wörtern: "Je suis Charlie". Einigen geht dieser Slogan nicht weit genug: Sie wollen keine Opfergruppe ausschließen und posten "Ich bin Muslim", "Ich bin Jude", "Ich bin Polizist" oder "Ich bin Ahmed".

Anderen ist die weltweite Solidarität zu billig. Schließlich gibt es sogar eine App, mit der man per Mausklick Teil der weltweiten Unterstützer von Charlie Hebdo und der Pressefreiheit werden kann. Der US-Blogger Paper-Bird bezeichnet das als eine "kostengünstige, risikolose, allumfassende Solidarität", die völlig unverbindlich sei und doch oft fälschlicherweise als politischer Akt verstanden werde.

"Ich bin nicht Charlie"

Allerdings: Mit dem Post #jenesuispascharlie ("Ich bin nicht Charlie") befindet man sich in der Gesellschaft von Jean-Marie Le Pen, dem Gründer des rechten Front National. "Es tut mir Leid, ich bin nicht Charlie", sagte Le Pen. Er fühle sich keineswegs dem Geist von Charlie verbunden. Hintergrund ist, dass die Satire-Zeitung zu den schärfsten Gegnern des FN gehört.

"Es gibt auch diejenigen, die aus "Ich bin Charlie" den Satz "Ich bin nicht Charlie" machen, weil sie sich selbst eingestehen, dass sie den Mut der französischen Zeichner nicht gehabt hätten."
Andreas Noll, Netzjournalist

Kritiker von der linken Seite wiederum stören sich an den "sexistischen, homophoben und rassistischen Beiträgen", die es auch bei Charlie Hebdo gab. Und David Brooks macht in der New York Times darauf aufmerksam, dass viele, die jetzt "Je suis Charlie" sagen im richtigen Leben von Toleranz sehr wenig wissen wollten.

Für die Journalistin Corine Goldberger wiederum ist der Slogan "Je ne suis Charlie" eine deutlich Distanzierung von den Franzosen, die für Pressefreiheit kämpfen.