Literaturübersetzer arbeiten kreativ und viel, verdienen aber eher wenig. Trotzdem ist es ein toller Job, findet Übersetzerin Isabel Bogdan - und das, obwohl sie mit ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird.

Literatur zu übersetzen ist harte Arbeit - aber eben auch Arbeit, die Spaß macht, sagt Isabel Bogdan. Sie hat unter anderem den Bestseller "Tiere essen" aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, "und das war emotional nicht schön, diese Dinge zu recherchieren" - also die Fachbegriffe und Einzelheiten der industriellen Fleischproduktion. Andererseits sagt sie aber auch, dass es erst an den schwierigen Stellen anfängt, richtig Spaß zu machen.

"Man wird Übersetzer, indem man behauptet, dass man Übersetzer ist."
Isabel Bogdan, Übersetzerin

Reich werden allerdings kann man mit dem Übersetzen nicht. "Man kann damit sein Brot verdienen, aber für die Marmelade reicht's dann manchmal nicht", zitiert Isabel Bogdan eine Kollegin. Nach Zahlen des "Verbands deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V." (VdÜ) aus einer 2012 veröffentlichten Studie kommen Übersetzer nur auf einen Brutto-Monatslohn von rund 1300 Euro.

"Übersetzer leben tatsächlich am Rande des Existenzminimums."
Bericht "Literaturübersetzende in Deutschland", 2012

Das ist wenig - und daran hat sich in den letzten drei Jahrzehnten nichts geändert. "Damit verbunden sind zwei Gefahren für die Übersetzungs- und Verlagskultur", warnt der VdÜ-Bericht:

  • "Oft sind Übersetzer gezwungen, mehr oder schneller zu arbeiten, um über die Runden zu kommen, und das geht auf Kosten der Qualität."
  • Außerdem gebe es zu wenige jüngere Übersetzer: "Hier zeichnet sich für die nächsten Jahre ein deutlicher Mangel im Literaturbetrieb ab."

Das niedrige Einkommen und die schwierigen Rahmenbedingungen gehen auf Kosten der Attraktivität - auch wenn der Einstiegshürden sehr niedrig sind. Denn da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, kann sich jeder Übersetzer nennen.