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Immer nur befristete Stellen, keine Planungssicherheit, viel unbezahlte Arbeit: Jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland reicht es. Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen für sich und ihre Forschung. Einer von ihnen ist Gordon Feld, 38. Gordon ist promovierter Psychologe, Vater von zwei Kindern und weiß nicht, wo er in zwei Jahren sein wird – trotz Top-Ausbildung.

Gordon Feld arbeitet am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und erforscht dort den Zusammenhang von Schlaf und Gedächtnis. Und Gordon ist einer von Tausenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die seit Mitte Juni auf Twitter unter #IchbinHanna ihre Arbeitsbedingungen kritisieren.

Kritik am Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG)

Die Kritik richtet sich vor allem gegen das sogenannte Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Dieses Gesetz ermöglicht Sonderbefristungen in der wissenschaftlichen Qualifizierungsphase und führt dazu, das Promovierende und Post-Doktorand*innen immer nur befristete Verträge bekommen – und dadurch keinerlei Planungssicherheit.

Gordon hat seit zwölf Jahren befristete Verträge, finanziert seine Forschung aktuell über Drittmittel. Für ihn und seine Familie ist die Situation ziemlich belastend. "Ich kann für mich und meine Familie in einem Horizont von noch zweienhalb Jahren planen und danach weiß ich es nicht", sagt Gordon Feld.

"So gut ausgebildet zu sein und trotzdem die ganze Zeit Angst um seinen Job haben zu müssen, das ist wirklich bizarr."
Gordon Feld, Wissenschaftler und Psychologe

Das WissZeitVG ist schon lange umstritten, Mitte Juni ging allerdings ein altes Video des Bundesministeriums für Bildung und Forschung viral. In dem Animationsvideo wird das Gesetz anhand der fiktiven Biologin Hanna erklärt. Und dort wird auch erklärt, warum das WissZeitVG gut sein soll. Die Argumentation: Es führe zu mehr Fluktuation in der Wissenschaftlichen Ausbildung, sorge dafür, dass eine Generation von Forschenden nicht alle Stellen "verstopfe" und fördere die Innovationskraft.

Darüber haben sich Tausende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – darunter auch Gordon Feld – auf Twitter zu Wort gemeldet und erklärt, warum auch sie "Hanna" sind – also die Forscherin in dem Erklärvideo – und warum das WissZeitVG genau das Gegenteil von dem bewirkt, was es eigentlich soll.

Befristungen führen zu psychischem Druck

"Das ist immer das Argument: Die Arbeit würde besser dadurch, dass man uns so ein Damoklesschwert über dem Kopf hängt. Das halte ich für einen ganz großen Quatsch", sagt Gordon Feld. Statt junge Forschende jahrelang zu befristen, fordern Gordon und viele weitere Nachwuchswissenschaftler*innen unter anderem mehr unbefristete Stellen. Die gibt es aktuell eigentlich nur bei Professuren – und die wiederum sind extrem selten.

"Ich fühle mich auch von einem System verarscht, wo so viele Leute in den Betrieb reingenommen werden, wo von vornherein klar ist: Es reicht nicht für alle."
Gordon Feld, Wissenschaftler und Psychologe

Aktuell lebt Gordon mit seiner Familie in Mannheim, er bewirbt sich aber gerade deutschlandweit auf eine Professur – und würde dann auch wegziehen, um mehr Sicherheit für seine Arbeit und damit auch seine Familie zu haben. Denn mittlerweile ist er ziemlich geschafft von den Jahren der Dauerbefristung.

"Deutschland sollte sich ganz genau überlegen: Wenn wir eine Wissenschaftsnation sein wollen, dann sollten wir die jungen Wissenschaftler ein bisschen besser behandeln."
Gordon Feld, Wissenschaftler und Psychologe

Im Deep Talk mit Rahel Klein hört ihr außerdem, warum Gordon Feld seinen Job als Wissenschaftler trotzdem so liebt und was jeder und jede von uns über sein Forschungsthema Schlaf wissen sollte.