Millionen Deutsche spielen Computerspiele, viele von ihnen professionell als E-Sportler. Die Branche macht Millionenumsätze, es gibt immer mehr Events, größere Wettkämpfe, mehr Zuschauer, höhere Preisgelder. Trotzdem fristet der E-Sport in der Welt des Sports noch ein Nischendasein. Jörg Adami will das ändern. Der Geschäftsführer der Esports Player Foundation fordert professionelle Förderung und mehr Anerkennung für Spielerinnen und Spieler.

Kann Computerspielen überhaupt Sport sein? Diese Diskussion ist für Jörg Adami absolut irrelevant, die Fakten machten diese Frage längst überflüssig: "Ob alte Männer sich darüber unterhalten, ob die Äpfel jetzt Bananen heißen, hat nichts damit zu tun, dass wir Millionen Kinder und Jugendliche haben, die kompetitiv Computer spielen."

"Es ist völlig egal, ob Du ein Talent hast in Computerspielen, Kunst, Musik, Literatur, Sport... Ich bin fest davon überzeugt, dass wir als Gesellschaft gut daran tun, unsere Exzellenz zu fördern, zu unterstützen."
Jörg Adami, Geschäftsführer der Esports Player Foundation

Für ihn ist die sinnvollere Frage jetzt: Wie mit dem Massenphänomen E-Sport umgehen? Er findet, dass Spielerinnen und Spieler professionell gefördert werden müssen – um der Talente willen, aber auch wegen all der anderen, die sich für E-Sport und die Top-Player interessieren. Sie brauchen Vorbilder, glaubt er. An den olympischen Vorbildern orientiere sich heute keiner mehr.

Förderung von E-Sportlerinnen und Sportlern schafft neue Vorbilder für Kinder und Jugendliche

E-Athleten könnten diese Lücke aber füllen und gute Vorbilder sein – nicht allein wegen ihrer Leistung. Denn an die Spitze komme man nicht nur durch stundenlanges Zocken tagein tagaus. Um eine Top-Athletin im E-Sport zu werden, benötige man neben Willensstärke, Intelligenz, Teamfähigkeit und spielerischen Skills auch körperliche Fitness.

"Die erfolgreichsten Teams haben absolut verstanden, dass ihre Spieler mental stark sein, dass sie sich gesund ernähren, dass sie physisch fit sein, dass sie genug schlafen müssen, um diese Höchstleistung im Wettkampf bringen zu können."
Jörg Adami, Geschäftsführer der Esports Player Foundation

Jörg Adami ist Geschäftsführer der im Januar 2020 gegründeten Esports Player Foundation. Die Stiftung will Talente und professionelle Spielerinnen und Spieler fördern – und zwar nicht nur deren Leistungen am Computer, sondern auch deren persönliche Entwicklung, also etwa Schulbildung, berufliche Bildung, Fitness und Werte. Man kann sich das ganz analog zur Deutschen Sportförderung vorstellen, in dessen Vorstand Adami zehn Jahre lang saß.

Fehler der analogen Sportförderung vermeiden

E-Sport ist Teil einer digitalen Revolution, sagt Jörg Adami. Es bestehe die Chance, in dieser neuen Bewegung, die noch sehr unstrukturiert ist, ein paar Fehler nicht zu wiederholen, die im klassischen Sport passiert seien – zum Beispiel: die "absolute Orientierung auf Leistungsmaximierung".

"Ich halte es persönlich für eine Unverschämtheit, dass Millionen Deutsche, die Shooter-Spiele spielen, in eine Ecke gestellt werden als potentielle Amokläufer."
Jörg Adami, Geschäftsführer der Esports Player Foundation

Dafür müssen in der Gesellschaft und im klassischen Sport allerdings auch noch ein paar Vorurteile gegenüber Computerspielen abgebaut werden – etwa gegen Shooter-Spiele. Jörg Adami fordert auch Respekt für Kids und Jugendliche, die viel Zeit vor dem Rechner verbringen. Es bringe nichts, einem 16-jährigen Gamer den Router abzuschalten. Man müsse ihm Respekt entgegenbringen und andere Wege aufzeigen. Aber viele Familien seien damit überfordert. Und auch dabei könnte ein Umdenken in Sachen E-Sport helfen.

"Wenn man E-Sports betrachtet, dann ist es Teil einer digitalen Revolution. Es hat Chancen und es hat aber auch Risiken."
Jörg Adami, Geschäftsführer der Esports Player Foundation

Im Interview mit Sebastian Sonntag erzählt Jörg Adami noch viel mehr: Unter anderem geht es darum, wie die Förderung in seiner Stiftung konkret aussieht, wo er überhaupt das Geld für die Förderung auftreibt und warum er glaubt, dass es in Shooter-Games bald kein Blut mehr zu sehen gibt. Das und mehr hört ihr, wenn Ihr oben auf den Playbutton klickt.

Jörg Adami mit Moderator Sebastian Sonntag im Deutschlandfunk-Nova Studio
© Deutschlandfunk Nova
Jörg Adami mit Moderator Sebastian Sonntag