Wer persönlich einen Sachbearbeiter sprechen will, braucht einen Termin. Den gibt es aber nur auf Antrag. Und wenn der nicht beantwortet wird? Dann hilft nur noch Insistieren.

Johanna Richter macht mit jungen Jahren - nach ihrer Ausbildung zur Köchin - schnell Erfahrungen mit der Arbeitsagentur, weil sie keine Arbeit findet. Gleich zu Beginn ihrer nicht so lange dauernden Hartz-IV-Karriere merkt sie, welche Vorgänge beim Amt möglich sind.

Johanna beantragt einen Gesprächstermin bei der Arbeitsagentur. Auf diesen Antrag bekommt sie nie Antwort. Also erscheint sie persönlich und sagt, dass sie gerne mit einem Sachbearbeiter sprechen würde, schließlich sei ihr Antrag auf einen Termin nie beantwortet worden. Die Antwort der Mitarbeiter an der Rezeption:

"Wenn Sie mit jemandem sprechen wollen, brauchen Sie einen Termin."

Und Johanna denkt sich: Genau! Deswegen bin ich ja hier!

"Ich habe keine Lust voll zu arbeiten und von der Arbeitsagentur bezahlt zu werden."
Johanna Richter

Irgendwann bekommt Johanna Hartz IV, aber eigentlich will sie einen Job. Die Angebote in der Gastronomie sind in der Regel befristet, Saisonarbeit, Mini-Jobs. Nichts, worauf Johanna ihre Karriere ausrichten möchte.

Irgendwann findet sie ein Restaurant, das sie im Service, nicht in der Küche, einstellen möchte - allerdings erst nach einem vierwöchigen, unbefristeten Praktikum. Das macht Johanna, genauso wie das anschließende, nochmal vierwöchige Praktikum, das diesmal Service und Küche umfasst. Bezahlt wird sie weiterhin von der Arbeitsagentur. Danach, man kann es sich fast denken, bietet das Restaurant Johanna ein weiteres, wieder unbezahltes Praktikum an. Keine Übernahme, keine Stelle, kein Vertrag.

Raus aus dem System

Johanna muss zurück zur Arbeitsagentur, denn einen Job hat sie immer noch nicht. Dort aber hat man sie schon aus dem System gelöscht. Man ist davon ausgegangen, dass Johanna nach dem Praktikum Arbeit hat.

Johanna verliert die Lust und nimmt die Jobsuche selbst in die Hand. Sie hat jetzt einen Job - und außerdem ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben mit dem Titel "Es liegt kein Antrag vor".