Unser Sonntagsgast ist voll und ganz dem Herz verfallen. Seinem eigenen und dem von uns allen. Er studiert und slammt über unsere pumpende Lebensversicherung und konnte schon als Teenager einer Frau mit seiner Herzmassage das Leben retten.

Die unbändige Neugier am menschlichen Herzen hat Johannes von Borstel schon im Kindesalter befallen. Im Alter von fünf Jahren verstarb einer seiner Großväter an einem Herzinfarkt und Johannes wollte verstehen, wie ein millimetergroßer Pfropfen einen so großen und starken Mann umhauen konnte. Diese Wissenslücke hat der angehende Mediziner Johannes dank seines Studiums bereits geschlossen und teilt seine Erkenntnisse gerne mit uns, wenn er als Science-Slammer auf der Bühne steht. 2015 konnte er mit dem Thema Herzrasen sogar die deutsche Vizemeisterschaft erringen.

Schon in der Schule engagierte sich Johannes als Schulsanitäter. Dazu bekam er von einer Hilfsorganisation eine Ausbildung zum Einsatzsanitäter und war fortan als Schüler an der Schule als Sanitäter aktiv. Hatte sich ein Mitschüler verletzt, wurde er per Funk aus dem Klassenraum zum Einsatzort gerufen. Um nicht zu viel vom Unterricht zu verpassen, wurde von der Schule ein richtiger Dienstplan für alle Schulsanitäter aufgestellt.

Als Teenager am Bahnsteig das erste Leben gerettet

Früher als gewollt, musste Johannes allerdings unter Beweis stellen, dass er mit seiner Ausbildung auch in der Lage ist, Menschenleben zu retten. Eine ältere Dame lag in seiner Nähe am Bahnsteig in Hannover auf dem Rücken und zeigte weder Atmung noch Puls.

"Ich war auf Gleis 3 und 4, Abschnitt E Hauptbahnhof Hannover. Da kam die Ansage, dass ein Arzt auf den Gleisen benötigt wird.“
Johannes von Borstel, Medizinstudent, Rettungssanitäter und Autor

Ohne lange zu überlegen, begann Johannes mit der Reanimation und konnte mit einem später hinzukommenden Arzt die Frau mit neu eingesetztem Herzschlag an den Rettungsdienst übergeben. Als Tipp für alle, die auch in so eine Situation geraten, empfiehlt er, den Radetzkymarsch von Johann Strauß im Kopf zu haben. Denn der gibt die richtige Beatmungsfrequenz von 100 bis 120 Pumpvorgängen pro Minute vor. Und nach den neusten Richtlinien sollte der Lebensretter die Mund-zu-Mund-Beatmung sogar komplett weglassen.

"Die "Between the Nipples"-Methode ist die einfachste Methode, um den Druckpunkt für die Reanimation zu finden.“
Johannes von Borstel, Medizinstudent, Rettungssanitäter und Autor

Den richtigen Druckpunkt kann auch jeder ganz einfach finden. Der liegt nämlich auf dem Brustbein, auf der Höhe zwischen den beiden Brustwarzen. Aber Vorsicht bei übergewichtigen Menschen mit Hängebrüsten, da gilt diese Regel natürlich nicht. Dann lieber die Spitze des Brustbeins ertasten, zwei fingerbreit darüber gehen und dort den Handballen aufsetzen.

“Eine gebrochene Rippe ist beim Herzstillstand kein Beinbruch.“
Johannes von Borstel, Medizinstudent, Rettungssanitäter und Autor

Als nächstes steht im Medizinstudium von Johannes das Physikum an, während er parallel an seiner Doktorarbeit sitzt. Dabei geht es um das Wanderungsverhalten bestimmter Immunzellen bei Gefäßverkalkungen. Na dann, Hals und Beinbruch.