Auf 75.000 Fußballplätzen sollen Roboter in Zukunft die Spielberichterstattung übernehmen. Diese Art des Fußballjournalismus könnte der Anfang einer neuen Form des Journalismus auch in anderen Bereichen sein.

Über den SV Lichtenberg 47 wird ebenso wenig berichtet wie über den TSV Wulsdorf. Selbst in der Lokalpresse spielen diese Clubs der niedrigen Ligen mit wenigen Zuschauern keine große Rolle. Das heißt: Die Fans bekommen kaum Informationen über einzelne Spiele. Aber das soll sich bald ändern, wenn Roboterjournalisten des Deutschen Fußballbundes die Berichterstattung übernehmen.

Auf fussball.de soll ab der nächsten Saison über solche Spiele geschrieben werden – vom Computer. Die Künstliche Intelligenz wird automatisch Vorberichte und Spielberichte für alle Amateurligen generieren. Über 25.000 Vereine, 160.000 Mannschaften und drei Millionen Spielerinnen und Spieler sollen so abgedeckt werden.

"Wenn die Verlage auf 75.000 Fußball-Plätze je einen Redakteur schicken würden, dann müssten wir das nicht machen."

Ob es sich bei der Künstlichen Intelligenz um eine Edelfeder handelt oder wir eher rumpelige Texte zu lesen bekommen, ist noch nicht klar. Auch wie lang die Texte sein werden oder wie sie aufgebaut sind, hat der DFB noch nicht verraten. "Technologisch gibt es da kaum Grenzen", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. "Die Software ist mittlerweile so weit entwickelt, dass es Ungeübten durchaus schwer fällt zu erkennen, ob ein Mensch oder ein Computer die Artikel geschrieben hat."

So wäre es zum Beispiel möglich, dass der Spielbericht aus der Perspektive der einen Mannschaft geschrieben wird, so wie es die Heimatzeitung des Teams gemacht hätte. Und mit einem Klick kommt dann der Perspektivwechsel, und der Bericht liest sich auf Seiten der gegnerischen Mannschaft schon ganz anders.

"In unseren Nachbarländern werden mittlerweile auch viele Lokalzeitungsgeschichten von Robotern geschrieben."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Dieser Roboterjournalismus muss sich künftig nicht nur auf Sport und Fußball beschränken. Vor allem Google arbeitet daran, Künstliche Intelligenzen zu entwickeln, die journalistische Produkte liefern können. Und bei unseren europäischen Nachbarn werden bereits viele Lokalzeitungsgeschichten von einer KI verfasst. Dazu muss sie mit Statistiken gefüttert werden, Geburtenraten, Unternehmensberichten und weiteren Informationen. Dann konstruiert die Software einen Bericht. Auch Nachrichtenagenturen benutzen das mittlerweile gerne.