Anna Dushime ist vieles: Redaktionsleiterin, Podcasterin, Kolumnistin und seit kurzem auch Schauspielerin. Was ihr dabei wichtig ist: Als schwarze Frau möchte sie sich nicht nur mit den Themen rund um Diversität und Rassismus beschäftigen müssen, sondern auch mit ganz anderen Themen wie beispielsweise dem Dating.

Bei der Berliner Produktionsfirma Steinberger Silberstein ist Anna Dushime die Redaktionsleiterin für die Funk-Formate "Browser Ballett" und "Aurel Original" mit Aurel Mertz. Als Podcasterin hat sie sich unter anderem im Podcast "1000 erste Dates" mit den verrücktesten Datinggeschichten auseinandergesetzt oder spricht in "Notaufnahme" mit Ärzten ohne Grenzen über ihre Erfahrungen. Für Edition F behandelt Anna jeden Monat in einem Brief an eine bestimmte Person ein bestimmtes Thema.

Anna Dushime macht vieles und hat noch vieles vor. Im Gespräch mit Sebastian Sonntag spricht sie über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus.

Was Satire darf und kann

Von sich selbst sagt Anna Dushime, dass sie Menschen zum Lachen bringt – privat und beruflich. Beruflich hilft ihr der Humor vor allem als Redaktionsleiterin des Formats "Browser Ballett", bei dem sie mittlerweile sogar als überforderte Redaktionsleiterin vor der Kamera steht. Eine Frage, mit der sich Anna in einem satirischen Format immer wieder auseinandersetzen muss, ist: Was darf und kann Satire?

Darauf hat sie aber auch eine klare Antwort: Satire kann durchaus verletzen und manchmal dürfe sie das auch, wenn es darum geht, den Finger in die Wunde legen – aber sie müsse ausgewogen sein. Was gar nicht ginge: nach unten treten. Deshalb sollte man sich immer fragen, wie die Gruppe, über die man sich lustig mache, sonst noch in der Medienlandschaft vertreten ist. Wenn bestimmte Gruppen immer nur die Pointe von Witzen darstellen, dann ist das ihrer Meinung nach hochproblematisch.

"Ich finde, dass Satire auch manchmal verletzen kann und vielleicht sogar darf, aber wenn das eine Gruppe ist, die sonst immer die Pointe eines Witzes darstellt und man ihr nie auf Augenhöhe begegnet, dann finde ich das hochproblematisch."
Anna Dushime, Redaktionsleiterin beim Funk-Format "Browser Ballett"

Grundsätzlich hat Anna Dushime das Gefühl, dass wir uns derzeit in einer zunehmend politisierten Gesellschaft befinden – und das spiegele sich auch in den Clips des "Browser Ballett" wider. Der Alltag sei politischer geworden und damit auch ihre Arbeit.

Über die unterschiedlichsten Dating-Erfahrungen

Weniger politisch geht es bei einem Thema zu, mit dem sich Anna Dushime auch sehr gerne auf mehreren Ebenen beschäftigt: dem Dating. Im Podcast "1000 erste Dates", von dem sie die erste Staffel moderiert hat, spricht Anna Dushime mit Menschen über ihre ersten Dates, die teilweise auch ziemlich verrückt waren.

Und auch in ihrer eigenen TAZ-Kolumne "Bei aller Liebe", die sie seit 2019 schreibt, geht es ums Daten. In den ersten Kolumnen – vor Corona – hat Anna Dushime auch über ihre eigenen Dating-Erfahrungen geschrieben und dabei klargestellt, dass Rassismus auch beim Daten oft eine Rolle spiele. Beispielsweise, wenn sie beim ersten Date nicht ein normales Gespräch führen könne, sondern erst einmal Aufklärungsarbeit leisten müsse. Etwas, das ihrer Meinung nach keinen Platz bei einem Date habe.

Diversity- und Rassismusthemen im Journalismus

Anna Dushime ist in Ruanda geboren und mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Sie sage oft, dass sie erst hier festgestellt habe, dass sie schwarz ist, denn davor habe ihre Hautfarbe nie eine Rolle gespielt.

"Ich sage immer ganz gerne, dass ich in Deutschland festgestellt habe, dass ich schwarz bin, weil es davor keine Rolle gespielt hat."
Anna Dushime, Journalistin und Autorin

Dass Diversity derzeit eine Art Trendthema in unserer Gesellschaft ist, findet sie grundsätzlich gut. Als Journalistin und Autorin ist ihr dabei ein Aspekt besonders wichtig: BIPoC-Medienschaffenden werde nun auch immer mehr zugestanden, dass sie sich mit anderen Themen, die nichts mit Diversity und Migration zu tun haben, beschäftigen dürfen. Auch sie würde sich gerne aussuchen, über welche Themen sie spricht und nicht nur aufgrund ihres Migrationshintergrundes eingeladen werden, sagt Anna Dushime.

"Die positive Seite ist, dass wir uns endlich etwas mehr mit dem Thema Diversität beschäftigen. Die negative Seite ist, dass man in eine Schublade gesteckt wird, dass das mein Thema wird, obwohl ich gerne auch über Flatulenzen und Dating sprechen würde."
Anna Dushime, Autorin

Für sie gebe es Diversity-Debatten, zu denen sie gerne bewusst etwas beitragen möchte. Wenn sie allerdings einen Vortrag halten soll und ihr das Thema bereits in den Mund gelegt werde oder sie nur eingeladen werde, um eine bestimmte Quote zu erfüllen, finde sie das schlimm.

In den kommenden Jahren müsse sich die Gesellschaft mehr mit dem Gedanken, der hinter der "offensichtlichen Diversität" stecke, beschäftigen und daran arbeiten, wie Diversität auch strukturell hergestellt werden könne. Beispielsweise sollte an der diverseren Aufstellung von Redaktionen gearbeitet werden.

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag erfahrt ihr außerdem, wie es Anna Dushime findet, eine überforderte Version ihrer Selbst zu spielen, warum sie auch die "Meme-Queen" genannt wird und was es mit ihrem Interesse für Flatulenzen auf sich hat.

  • Moderator:  Sebastian Sonntag