Die Band "Wir sind Helden" gibt es nicht mehr, aber Judith Holofernes steht wieder auf der Bühne und schreibt Songs und Bücher. Ideen hat sie beim Spazierengehen im Wald - und ihren Alltag organisiert sie so, dass sie möglichst viel Freizeit hat.

Willkommen im Chaos. Welche Mutter zweier Kinder kennt das nicht in ihrem ganz normalen Alltag. Sängerin Judith Holofernes, bekannt geworden mit ihrer Band "Wir sind Helden", hat in all dem Durcheinander genau dieses zum Thema gemacht und darüber ihr zweites Soloalbum "Ich bin das Chaos" veröffentlicht.

"Die erste Soloplatte war zu früh. Die Musik hat mich links überholt."
Judith Holofernes

Das neue Album hat sie zusammen mit dem Songschreiber Teitur von den Faröer Inseln geschrieben. Sie haben die Texte zuerst auf Englisch verfasst und Judith hat sie dann ins Deutsche übersetzt.

Teitur hat das Album als Multinstrumental fast im Alleingang eingespielt. Er wird Judith auch auf ihrer Tour begleiten. Viele Songs auf dem Album sind etwas nachdenklicher und leicht melancholischer als auf dem ersten Solo-Album geworden, sagt sie.

"Ein Song ist mir komplett auf einem Spaziergang eingefallen. Ich hatte nichts zu schreiben dabei und musste hoffen, die Melodie zu Hause noch zu wissen. Fahrlässig."
Judith Holofernes

Texte und Melodien entstehen bei Judith während des Laufens. In der Bewegung draußen in der Natur schaltet das Gehirn einen bestimmten Bereich aus, sodass neue Melodien entstehen, sagt sie. Und der Laufrhythmus selbst sei der beste natürliche Groove, um kreativ an neue Sounds und Melodien zu gehen.

Der Song "So weit gekommen" kam ihr auch beim Spazierengehen in den Kopf. Weil sie nichts zu schreiben dabei hatte, summte sie die Melodie so lange vor sich hin, bis sie sie zuhause aufnehmen konnte.

"Ein Buch herauszubringen ist im Vergleich zu einer Platte so entspannt, dass man fast heulen könnte."
Judith Holofernes

Judith Holofernes ist eine Allround-Musikerin und ein kreatives Multitalent. Neben den Texten und Melodien für die neue Platte war sie auch für das Artwork zuständig. Das Video zur Single "Ich bin das Chaos" hat sie zum Beispiel mit einer App alleine zuhause aufgenommen.

Das alles klingt nach Chaos und viel Arbeit. Tatsächlich hat Judith immer noch viel zu tun. Früher aber hätte sie gesagt "Das schaffe ich trotzdem alles". Heute fragt sie sich: "Was kann ich davon weglassen?" Sie beschäftigt sich deshalb mit Tools zur Selbstorganisation und versucht ihren Alltag so zu gestalten, dass sie nicht immer mehr macht, sondern Zeit zum Nichtstun und Spazierengehen bleibt.

Erstmal kein "Wir sind Helden" mehr

Im Interview mit DRadio-Wissen-Moderator Sebastian Sonntag philosophiert die "Wir sind Helden"-Frontfrau außerdem über ihre Liebe zu Berlin und erklärt, warum es jetzt erstmal kein "Wir sind Helden"-Revival geben wird.