• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Die Mehrheit der 14- bis 39-Jährigen feiert wegen Covid-19 keine Parties. Für sie ist es auch wichtig, sich an die Corona-Regeln zu halten um andere zu schützen. Das Bild der rücksichtslosen, feiernden Jugendlichen kommt von einer Minderheit, berichtet der Jugendforscher Simon Schnetzer.

Das wirklich alte Meinungsmuster von verantwortungsloser Jugend und verantwortungsvollen Alten ist während der Covid-19-Pandemie in der öffentlichen Diskussion deutlicher hervorgetreten. Tatsächlich verhalten sich 14- bis 39-Jährige in Deutschland einer repräsentativen Studie zufolge in der Corona-Krise allerdings überwiegend rücksichtsvoll.

72 Prozent dieser Gruppe finden es wichtig, sich an die Infektionsschutzregeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – zu halten, wie ein Teilergebnis der Studie Junge Deutsche 2021 nahelegt. 71 Prozent der befragten 14- bis 39-Jährigen geben an, sich rücksichtsvoll zu verhalten, um Familienmitglieder nicht zu gefährden. Genauso gibt es aber auch das verbleibende Drittel, das zugibt, nicht auf Parties zu verzichten, sagt Studienmitautor Simon Schnetzer..

"Wir haben ein Drittel der jungen Menschen, die auch dazu stehen. Sie verzichten nicht auf Parties."
Simon Schnetzer, Jugendforscher und Volkswirt

Der Soziologe Klaus Hurrelmann und die Medienwissenschaftlerin Dagmar Hoffmann haben im Oktober und November bundesweit rund 1600 junge Menschen online befragen lassen.

An der Konzeption und Durchführung waren das Institut für Demoskopie Allensbach und die Respondi AG beteiligt. Ein zentrales Ergebnis der Vorauswertung: Zwei Drittel der Befragten finden es wichtig und richtig, wegen der Pandemie aufs Feiern zu verzichten.

Feiernde in der Minderheit

Seit Beginn der Pandemie kursieren allerdings immer wieder Bilder von Partyexzessen und feiernden Teenagern in Gruppen. Die Minderheit eines Drittels der 14- bis 39-Jährigen reicht dafür aus.

Entgegen den Vorurteilen in der Öffentlichkeit zeige die Befragung das verantwortungsvolle Verhalten in der Corona-Pandemie, sagt Simon Schnetzer. Nur knapp ein Drittel der jungen Leute halte sich nicht an die Schutzregeln und nehme keine Rücksicht auf die Risikogruppen in der Bevölkerung. Elf Prozent der jungen Menschen gehören selbst einer Risikogruppe an.

Schwierige Übergangsphasen

Jugendliche und junge Erwachsene in Übergangsphasen spürten die Corona-Pandemie mit am stärksten, sagt Simon Schnetzer. Ihre Perspektiven würden gerade stark eingeschränkt, viele müssten sich nun umorientieren. Das sei mit harter Arbeit verbunden.

"Junge Menschen in Übergängen sind am stärksten betroffen: Absolventen, Auszubildende und Studierende."
Simon Schnetzer, Jugendforscher und Volkswirt

Die Antworten der Studie unterscheiden sich laut Mitteilung stark nach Geschlecht, Bildungsgrad und Religiosität. So seien etwa junge Männer weniger bereit, sich rücksichtsvoll zu verhalten und auf Partys zu verzichten als junge Frauen. Diese hätten eher Angst, an Covid-19 zu erkranken.

Auch die Religiosität, der Glaube, spiele eine Rolle: Junge Leute mit einer starken religiösen Orientierung gingen unbeschadeter, optimistischer und erfolgreicher durch die Krise – ganz unabhängig davon, welcher Religion sie angehören.

"Junge Menschen, die stark gläubig sind, haben wesentlich positivere Auswirkungen auf ihre schulische, berufliche, finanzielle Situation oder für die Zukunft."
Simon Schnetzer, Jugendforscher und Volkswirt