Daten zur Arbeits- und Gaming-Zeit legen nah: Statt zu arbeiten, haben die jungen US-amerikanischen Männer lieber Freizeit. Genauer: Sie zocken.

Es gibt so manche Entwicklungen, die einen Zusammenhang zu haben scheinen. Manchmal ist aber nicht endgültig zu klären, ob eher das eine das andere oder das andere das eine verursacht oder ob alles mit allem zusammenhängt. Zum Beispiel:

  1. In den Jahren 2000 bis 2015 ist die Arbeitszeit eines 21- bis 30-jährigen US-Amerikaners durchschnittlich 13,5 Stunden pro Jahr gesunken. Das heißt: 2015 hat er 203 Stunden weniger gearbeitet als noch im Jahr 2000. Das sind rund fünf normale Arbeitswochen. Bei keiner Vergleichsgruppe ist der Rückgang ähnlich stark ausgeprägt.
  2. Dieselben jungen Männer spielen mehr Games. Wie das US-Wirtschaftsforschungsinstitut National Bureau of Economic Research (privat finanziert) ermittelt hat, wenden die 21-30-jährigen US-Amerikaner im Erhebungszeitraum 2012 bis 2015 pro Woche im Schnitt 3,4 Stunden auf. Acht Jahre zuvor waren es noch 2 Stunden pro Woche. Eine Steigerung um 70 Prozent.

Was eindeutig ist: Junge US-Amerikaner verbringen mehr Zeit mit Games und weniger Zeit auf der Arbeit.

Aber warum?

Es gibt keine eindeutige Antwort darauf, warum das so ist.

Einerseits könnte einfach mehr Zeit für Games zur Verfügung stehen. Möglicherweise weil der technische Fortschritt, die Globalisierung und der Wandel zur Dienstleistungsarbeit dazu führen, dass die Unternehmen Arbeitszeiten reduzieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass weniger junge Männer angestellt werden.

Andererseits, das schlagen die Forscher des National Bureau of Economic Research vor, könnte die Games-Entwicklung umgekehrt dazu beigetragen haben, dass die Spiele dazu beitragen, dass das Interesse an der Arbeit sinkt.

Eine Erklärung dafür könnte sein: Die Spiele sind so gut geworden. Aufwendige Games wie "World of Warcraft", die im Prinzip kein Ende haben, könnten das Zeitbudget stärker beanspruchen als Spiele mit festgelegtem Ende.

"Why not have a little fun in your 20s and work in your 80s?"
Erik Hurst, National Bureau of Economic Research

In der Regel spielen eher jüngere als ältere Männer Computerspiele. Und Frauen zocken eher nebenbei oder um Wartezeit zu überbrücken. Das könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass junge Männer bewusst vermehrt zocken statt zu arbeiten.

Die Forscher stellten die Ergebnisse ohne Wertung vor. Erik Hurst, einer der leitenden Forscher, sagt: "Warum sollte man in seinen 20ern nicht ein bisschen Spaß haben?"