An Ansichten und Überzeugungen mangelt es ihm nicht. Rapper Juse Ju zu Pfingsten im großen Feiertagsinterview mit Jenni Gärtner.

Juse Ju gilt vielen als einer der wortgewaltigsten Rapper des Landes. Seine Texte sind gewiss keine leichte Unterhaltung. Das allerdings ganz bewusst. Mainstream-Songs, die am Fließband gefertigt werden, sagt Juse Ju, haben mit der Person, die sie singt, nichts zu tun: "Das ist ja nicht aus deren Leben". Juse hingegen sucht die Ideen zu Texten in seiner eigenen Biografie. So kann er "Details aus dem Leben rein tun, die in Wirklichkeit so passiert sind, und die man sich nicht ausdenken kann." Musterbeispiel: Sein Song "TNT", in dem er über seine Erfahrungen als Zivi in der Psychiatrie rappt.

Kindheit in Tokio

Juse Jus Lebensgeschichte liefert in der Tat jede Menge Material für Songtexte. An erster Stelle stehen die Jahre, die er mit seiner Familie in Japan verbracht hat. Sehr lehrreich für ihn insbesondere die Erfahrung zu einer Minderheit zu gehören und irgendwie anders zu sein. Juse wurde zwar nicht diskriminiert. Aber dennoch: "Es ist das Gefühl, dass man merkt, dass man anders aussieht als alle anderen Menschen." Für den Rapper war das eine eine interessante und gute Erfahrung.

"Wenn mir jemand erzählen will: Große Unterschiede zwischen Münchenern und Berlinern? Sorry, da muss ich lachen!"
Juse Ju, Rapper

Entsprechend kritisch sieht Juse auch die Debattenkultur im Netz. Er findet, dass viele Teilnehmende sich ihrer Sache allzu sicher sind: "Da ist man auch schnell dabei, sehr harsche Meinungen zu haben, wo ich denke: 'Seid ihr da wirklich so informiert wie ihr gerade tut?'" Juse Jus Erfahrungen haben ihm hingegen gezeigt, "dass man sehr wenig weiß über Dinge. Man hat Vorstellungen, aber man sollte nicht zu schnell urteilen." Seine Empfehlung daher: "Redet über Dinge, mit denen ihr mindestens ein, zwei, drei Jahre Erfahrung habt. Alles andere ist Quatsch."