Stundenlang müssen Flüchtlinge an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland in der Kälte warten, bis sie ein Bus endlich weiter in ein Auffanglager fährt. Keine einfache Situation - auch für die Helfer vom Roten Kreuz.

Wenn Flüchtlinge am Grenzübergang Simbach, rund 50 Kilometer von Passau entfernt, ankommen, kümmert sich das Rote Kreuz des Landkreises Rottal/Inn um sie, das von Herbert Wiedemann geleitet wird. Sechs bis acht Stunden kann es dauern, bis die Neuankömmlinge über die Grenze dürfen.. Auf der österreichischen Seite stehen sogenannte Wärmebereiche, also befestigte Gebäude. Das Problem: Viele Flüchtlinge trauen sich da gar nicht rein, weil sie fürchten, nicht dabei zu sein, wenn es endlich weiter geht.

Keiner hat das Team vom Roten Kreuz vorbereitet

Herbert Wiedemann hat beobachtet, dass syrische Familien sehr anpassungsfähig seien. Bei allein reisenden Männern sehe die Sache schon anders aus. Sie seien zum Teil aggressiv und täten alles dafür, in den nächsten Bus zu kommen.

Das Team vom Roten Kreuz macht zurzeit eine ganz neue Erfahrung, auf die sie niemand vorbereitet hat. Auch, weil es im Voraus keinerlei Informationen von den Behörden gab, was auf die Helfer zukam. Allerdings sei klar, dass kein Helfer so lange eingesetzt werde, bis er überfordert sei, versichert Herbert Wiedemann.

"Wie lange das Rote Kreuz noch an den Grenzübergängen im Einsatz ist? So lange es notwendig ist."
Herbert Wiedemann, Leiter des Roten Kreuzes des Landkreises Rottal/Inn

Eines ist für die Helfer dabei ganz wichtig: Sie müssen eine gewisse Distanz zu den Flüchtlingen wahren, andernfalls drohe Überforderung, mahnt Herbert Wiedemann. Normalerweise rückt sein Team nach einem Hochwasser aus. Und dann sei klar: Wenn die Pegel fallen, ist der Einsatz bald vorbei. Zurzeit ist kein Ende absehbar, und wenn Herbert Wiedmann an den bayerischen Winter mit kräftigen Schneefällen denkt, macht er große sich Sorgen. Er hofft, dass die Flüchtlinge über das Wetter informiert sind.

"Tausende von Menschen unter Frostbedingungen halte ich nicht für versorgbar."
Herbert Wiedemann, Leiter des Roten Kreuzes des Landkreises Rottal/Inn