Während des Kalten Krieges rüsteten vor allem die USA und die Sowjetunion wie irre ihre Nuklearwaffen auf. Es hätte gereicht, die gesamte Menschheit gleich mehrfach auszulöschen.

Die unvergleichliche Zerstörungskraft von Nuklearwaffen hatte eine irrationale Rüstungsdynamik befeuert.

Trotz Hiroshima kam es zum nuklearen Rüstungswettlauf

Spätestens nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki 1945 war allen bewusst, welche verheerende Zerstörungskraft Nuklearwaffen haben. Seither kann man von einem herrschenden Tabu sprechen, Atomwaffen einzusetzen. Trotzdem entwickelte sich in den Folgejahren zwischen den Ost- und Westmächten ein nuklearer Rüstungswettlauf, der eigentlich jeder Logik entbehrte.

"Eigentlich war es unsinnig, diese große Zahl von Nuklearwaffen zu haben."

Der Einsatz der Nuklearwaffen hätte für alle Kriegsparteien große Nachteile gehabt und war somit eigentlich unmöglich. Dennoch wurde damit ernsthaft gedroht, sagt der Friedens- und Konfliktforscher Michael Brzoska. Die Eigenlogik dieser Waffenart beförderte das Hochrüsten, verhinderte aber gleichzeitig, dass tatsächlich jemand den roten Knopf drückte oder anders formuliert: Die Atomwaffen selbst, so eine Theorie, haben verhindert, dass aus dem kalten ein heißer Krieg wurde.

Dieser Zustand der "nuklearen Abschreckung" hielt mehr als 40 Jahre lang an und veränderte die Theorien zu Krieg, beeinflusste maßgeblich die internationale und nationale Politik sowie das psychische Befinden der Gesellschaft - vor allem in den Atomwaffenstaaten.

"Da man der anderen Seite nicht traute, ob sie nicht mit ein paar mehr Atomwaffen vielleicht doch versucht sein könnte, einen Vorteil zu bekommen, kam es eben dazu, dass man immer nachziehen wollte."

"Wer als Erster schießt, stirbt als Zweiter" heißt der Vortrag von Michael Brzoska, in dem er die besonderen militärischen, politischen und psychologische Aspekte von Nuklearwaffen erläutert. Brzoska war bis 2016 Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Rüstungskontrolle und vertraglich vereinbarte Abrüstung sowie Kriegsursachen und weltweite Rüstungsindustrie.

Der Vortrag wurde am 16. Januar 2017 in der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky aufgezeichnet. Michael Brzoska sprach im Rahmen einer Vortragsreihe zur Ausstellung "Der Kalte Krieg – Ursachen, Geschichte, Folgen", organisiert vom Berliner Kolleg Kalter Krieg und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die begleitende Vortragsreihe ist in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Institut für Sozialforschung entstanden.

Mehr zu Atomwaffen im Netz: