Stellt euch vor, ihr habt im Urlaub über Airbnb ein Appartement in Kalifornien gemietet. Und weil ihr euch wie zu Hause fühlt, fangt ihr auch an, euch wie zu Hause zu benehmen: Was ihr allerdings nicht ahnt - in der Wohnung ist eine Kamera installiert. Genau das, ist Yvonne Schumacher passiert.

Dezember 2013: Yvonne Schumacher macht mit ihrem Freund Urlaub in Kalifornien. Und nach der dritten Nacht in ihrer Airbnb-Wohnung in Irvine, machen sie im Wohnzimmer hinter ein paar Kerzen eine unangenehme Entdeckung. Ein seltsames rotes Licht, das sie aber unglücklicherweise auch erst am dritten Tag ihrer Reise entdecken. Das seltsame Licht enpuppt sich als eingeschaltete Videokamera. Die Kamera kann ferngesteuert werden und auch Ton aufzeichnen.

Yvonne sagt, sie habe nichts geahnt und sich drei Tage völlig sorglos verhalten. Sie sei nackt durch das Wohnzimmer flaniert, außerdem habe sie mit ihrem Freund sehr persönliche Gespräche geführt - unter anderem auch über ihre Finanzen. Das alles könne von der Kamera aufgenommen worden sein, sagt sie. Und sie fürchtet auch, dass Nacktfotos von ihr ins Netz gelangt sein könnten. Sie und ihr Freund haben damals das Apartment sofort verlassen und Airbnb verständigt.

Yvonnes Anwalt erzählte dem Online-Magazin The Verge, Airbnb habe überhaupt nicht auf die Beschwerde reagiert. Und das Unternehmen habe das Angebot auch nicht von der Seite genommen. Stattdessen habe es den beiden Besitzern des Apartments, Fariah Hassim and Jamil Jiva, weiter gestattet, es über die Seiten von Airbnb zu vermieten. Ein bisschen überraschend, denn Airbnb habe vorher gesagt, es fahre eine "zero tolerance policy" gegenüber versteckten Kameras. Apartments, in denen Gäste heimlich gefilmt würden, würden außerdem sofort aus dem Angebot entfernt.

Kamera im Korb

Yvonne ist nicht die Einzige, die von einer versteckten Kamera in einem Airbnb-Apartment aufgenommen wurde. Der Observer berichtete im Mai von einer achtköpfigen Partygesellschaft, die ebenfalls via Aribnb ein Apartment in Montreal gemietet hatten. Eine Frau aus der Gruppe entdeckte im Schlafzimmer, das sie mit ihrem Freund nutzte, eine sogenannte Dropcam, die in einem Korb in einem Regal neben dem Bett versteckt war. Sie durchsuchte den Rest des Hauses und fand noch zwei weitere Kameras - eine unter dem Fernseher im Wohnzimmer und eine in der Küche. Mindestens zwei Gäste sollen nackt gefilmt worden sein.

"Yvonne fürchtet, dass Nacktfotos von ihr ins Netz gelang sein könnten."
Netzautorin Martina Schulte

Bleibt die Frage, was die Gastgeber zur Videoüberwachung antreibt? Angebot und Nachfrage. Das Online-Magazin Fusion schreibt, dank der kleinen netzbasierten Kameras, die heutzutage auf dem Markt sind, seien viele versucht, ihr Haus zu überwachen, wenn sie nicht da sind. Dieses Jahr wurde zum Beispiel ein Airbnb-Mieter in San Francisco von einer Kamera dabei ertappt, dass er Wertsachen aus einem verschlossenen Büro mitgehen ließ.

Schadensersatz wegen Nacktaufnahmen

Airbnb hat seit November 2014 Richtlinien für Kameras in seinen Geschäftsbedingungen festgelegt. Also ein Jahr nach dem Fall von Yvonne Schumacher. Gastgeber werden darin aufgefordert, Kameras in ihren Räumen offenzulegen. Der kanadischen Reisegruppe aus der Wohnung in Montreal wurde von Airbnb Schadensersatz gezahlt, schreibt der Observer. Yvonne hat diese Woche vor einem Gericht in Nordkalifornien Klage gegen Airbnb eingereicht. Zum aktuellen Fall will Airbnb laut Medienberichten keine Stellung nehmen, sagte aber gegenüber Fusion, dass man die Klage anfechten werde. Ob das Unternehmen damit durchkommt, ist unklar. Der Observer schreibt, im Hotelzimmer könne man erwarten, nicht von Kameras überwacht zu werden. Das wäre in den USA und Kanada strafbar. Airbnb agiere hingegen in einer Grauzone - irgendwo zwischen Hotel und Privatwohnung.