In der deutschen Politik wird debattiert, ob es genug Impfstoff gibt, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Laut dem neuen Gesundheitsminister Karl Lauterbach reichen die Impfstoffe ab Frühjahr 2022 nicht aus, um die Ausbreitung der Omikron-Variante zu brechen.

"Wir haben einen Impfstoffmangel für das erste Quartal. Das hat viele überrascht in der Inventur - mich auch."
Karl Lauterbach, Gesundheitsminister

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat nachgezählt und gerechnet. Die Dosen an Impfstoff werden nicht reichen, so sein Fazit. Im Zeitraum Januar bis März 2022 wird es nach aktuellem Stand knapp werden. Erst-, Zweit-Impfungen,. Booster und Kinderimpfungen. Da kommt derzeit ganz schön was zusammen.

2,2 Milliarden Euro für Impfstoff

Der Bundesgesundheitsminister kündigte daher an, 92 Millionen Dosen neuen Impfstoff zu bestellen – 80 Millionen Dosen von BioNTech/Pfizer sollen über bestehende EU-Verträge beschafft werden, 12 Millionen sollen direkt von BioNTech/Pfizer und Moderna kommen. Der Haushaltsausschuss habe dafür 2,2 Milliarden Euro bewilligt, berichtet Kerstin Ruskowski aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion.

Sie erklärt, warum es so schwierig ist, einen genauen Überblick über die zur Verfügung zu bekommen. "Es gibt Impfstoff, der liegt schon im Lager. Dann gibt es Impfstoff im Großhandel und in den Praxen. Weiter gibt es Bestellungen und sogenannte Optionen."

Wie Karl Lauterbach seine Berechnungen begründet

Lauterbach erklärte in der Talkshow Markus Lanz am Mittwoch (15.12.2021) "Das Ganze ist sehr kompliziert. Ich habe aufgearbeitet, was vorhanden ist. Welcher Impfstoff kommt wann und welche Bestellungen sind schon da? Welche vorgezogenen Lieferungen können wir erwarten?" Beim Abgleich mit der Booster-Kampagne kam der SPD-Politiker zu dem Schluss, dass nicht ausreichend Impfstoff vorhanden ist, sagte er.

Kerstin Ruskowski aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion sagt, die Booster-Kampagne laufe in Deutschland aktuell so gut wie in keinem anderen Land in Europa.

"Es könnte also sein, dass wir für das Boostern mehr Impfstoff brauchen. Bei vielen Leuten ist die zweite Impfung sechs Monate her. Jens Spahn hatte einige Lieferungen vom Januar in den Dezember vorgezogen."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk Nova Nachrichten

Vorwürfe von SPD und FDP an Jens Spahn

SPD und FDP machen der Großen Koalition Vorwürfe, dass der Übergang von Spahn zu Lauterbach nicht gut gelaufen sei. Aus Sicht der CDU steht hingegen fest, dass Jens Spahn nicht Schuld an einer möglichen Impfstoffknappheit ist. Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Tino Sorge, sagte zu der Kritik, dass er keinen Impfstoffmangel erkennen könne. Das Vorgehen von Lauterbach hält Tino Sorge für einen PR-Coup. Lauterbach rufe Feuer, um dann Feuerwehrmann zu spielen, obwohl er wisse, dass es gar nicht brennt, sagt Tino Sorge.