Lebensläufe sind meist pure Prahlerei. Als ob immer alles glatt laufen würde. Stimmt ja gar nicht. Johannes Haushofer hat seinen Lebenslauf des Scheiterns veröffentlicht. Damit will er anderen Mut machen. Aber Johannes ist auch schon recht erfolgreich.

Wenn ihr euren Lebenslauf schreibt, dann versucht ihr vermutlich, die besten Noten, die tollsten Ausbildungen, Uniabschlüsse und Jobs unterzubringen. Also alles, was geklappt hat. All die Misserfolge lassen wir lieber raus. Warum eigentlich?

Das hat sich Johannes Haushofer gefragt und es anders gemacht. Er ist Juniorprofessor an der US-amerikanischen Uni Princeton. Das ist ziemlich cool. Johannes hat einen tollen Lebenslauf - so sieht sein Standardlebenslauf aus. Aber jetzt hat er auch seinen "CV of failures" veröffentlicht. In diesem Lebenslauf des Scheiterns beschreibt er all die Dinge, die schiefgegangen sind.

Johannes listet die Studiengänge auf, in die er nicht reingekommen ist. Stipendien und Positionen, die er nicht bekommen hat. Ebenso Artikel, die von Fachmagazinen abgelehnt wurden.

"Mein größtes Versagen ist, dass dieser verdammte Lebenslauf mehr Aufmerksamkeit bekommt, als meine ganze akademische Arbeit."

Der Juniorprofessor will mit seinem Lebenslauf zeigen, dass eben nicht alles perfekt läuft. Dennoch tauchen unsere vielen Misserfolge nirgendswo auf, die lassen wir lieber unter den Tisch fallen. Mit seinem CV will Johannes anderen Mut machen, dass es nicht schlimm ist, abgelehnt zu werden. "Bewerbungen sind Glückssache", schreibt er.

Johannes ist nicht der Erste, der solch einen Lebenslauf veröffentlicht. Er nennt andere Beispiele, aber sein CV erregt zurzeit viel Aufmerksamkeit. Die Idee dazu verdankt Johannes der Forscherin Melanie Stefanie, die schon 2010 im Fachmagazin Nature zu einem Lebenslauf des Scheiterns aufgerufen hat. In anderen Bereichen, wie Sport oder auch in der Wirtschaft, sei das Versagen viel öffentlicher.

Im Netz gibt es auch kritische Töne. Denn Johannes habe es ja geschafft. Wirklich gescheitert sei er nicht. Ein Lebenslauf des totalen Scheiterns würde bestimmt kein Interesse erzeugen.