In Barcelona gehen Hunderttausende für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien auf die Straße. Bei den kommenden Regionalwahlen könnte es eine Mehrheit für die Separatisten geben - der Weg zu einem neuen Staat Katalonien dürfte trotzdem sehr, sehr weit und steinig sein.

Zwei Wochen vor den Regionalwahlen in Katalonien ist der katalanische Nationalfeiertag. Politiker und Separatisten, die für eine Abspaltung von Spanien sind, schauen ganz genau auf diese Wahlen: Für sie ist das auch eine Abstimmung, wie viele Katalanen wirklich für die Unabhängigkeit sind. "Die Umfragen legen derzeit nahe, dass die Katalanen für eine Abspaltung sind", sagt unser Spanien-Korrespondent Marc Dugge. "Es gibt aber auch viele Bürger, die den ganzen Prozess sehr kritisch sehen."

Eine Wirtschaftsmacht in Spanien

Während des Nationalfeiertags ziehen Hunderttausende durch die Straßen Barcelonas, schwenken katalanische Flaggen, geschmückt in den Nationalfarben, und demonstrieren für ihre Unabhängigkeit. Sie hoffen auf mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit, wenn Katalonien unabhängig ist und selbstständig über die Steuereinnahmen verfügen kann. Die Region hat eine starke Wirtschaft, doch durch den Wirtschaftsausgleich ist es so, dass viel Geld aus Katalonien in die spanische Hauptstadt Madrid abfließt.

"Es geht auch um sehr emotionale Dinge: Während der Franco-Diktatur war die katalanische Nationalbewegung unterdrückt. Daher hat sie in den vergangenen Jahren viel Zulauf bekommen."
Spanien-Korrespondent Marc Dugge über die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens

Einfach würde ein Weg in die Unabhängigkeit auf jeden Fall nicht werden. Verfassungsrechtlich ist das überhaupt nicht möglich. "Die spanische Verfassung erlaubt eine Loslösung vom Zentralstaat nicht, da müsste schon alle Spanier drüber abstimmen", sagt Marc Dugge. Er geht davon aus, dass sich die spanische Regierung die Vorgänge auch nicht bieten lässt - voriges Jahr wurde schon ein Referendum zur Unabhängigkeit abgesagt. Das wurde nur eine unverbindliche Volksbefragung. Da waren 80 Prozent für die Abspaltung.

Bitte mit der EU

Sollte Katalonien tatsächlich irgendwann einmal unabhängig werden, soll dieser Staat immer noch Teil der Europäischen Union bleiben. In der Hinsicht geben sich die Separatisten ausgesprochen selbstbewusst: "Sie sagen, wir sind Teil Europas und eine wichtige Wirtschaftsregion", erklärt Marc Dugge, "die EU könne sich gar nicht leisten, Katalonien nicht wieder aufzunehmen." Das Feindbild sitzt also in Madrid, nicht in Brüssel.