Seit Corona trinken viele mehr Alkohol als sonst. Nicht mehr in der Lieblingsbar, sondern zuhause auf der Couch oder beim wöchentlichen Skype-Date. Die Krise verändert unser Trinkverhalten – bei manchen zum Guten, bei vielen zum Schlechten.

Wein, Schnaps, Bier: Viele Menschen kaufen in Deutschland deutlich mehr Alkohol als noch vor Corona. Sind das Hamsterkäufe, oder trinken die Deutschen wirklich mehr? Das wollte das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim herausfinden. Das Ergebnis des Zwischenberichts: 20 Prozent der Befragten trinken weniger Alkohol seit der Pandemie, aber 40 Prozent gaben an, "viel oder viel mehr" Alkohol zu trinken. Das hat uns Ärztin und Leiterin der Studie Anne Koopmann in diesem Ab-21-Podcast erzählt.

"Es gibt einen Anteil von 20 Prozent, die weniger trinken. Dann gibt es aber einen Anteil von 40 Prozent der Studienteilnehmer, die mehr oder viel mehr trinken seit der Corona-Pandemie."
Anne Koopmann, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim

Der Rausch per Lieferservice

Weil kein Alkohol für manche auch keine Lösung ist, bieten immer mehr Bars jetzt einen Lieferservice an. Ein Pink de Blanc, ein Negroni oder doch lieber ganz klassisch ein Manhattan – die Entscheidung, welcher Cocktail es werden soll, muss bis spätestens 16 Uhr getroffen werden.

Denn danach nimmt die Fabelei, eine kleine Cocktail-Bar in Berlin-Schöneberg, keine Bestellungen mehr auf. Dann mixt Filip die Drinks, füllt sie in kleine Glasflaschen um, packt die Cocktails und eine extra Portion Eis auf sein Lastenrad und fährt die Runde im Kiez.

"Wir machen mit dem Lieferservice nicht den Umsatz, den wir im Daily Business machen würden. Das sind momentan nur 5 bis 10 Prozent. Aber wenigstens geraten wir nicht in Vergessenheit."
Anastasia Schöck-Bocheński, Bar-Betreiberin aus Berlin-Schöneberg

Die meisten Bestellungen kommen von Stammkunden aus der Nähe, manche Kunden überraschen aber auch Freunde mit einer Cocktail-Lieferung zum Geburtstag, erzählt Anastasia. Sie betreibt die Bar zusammen mit Filip.

Für die beiden bringt der Lieferservice ein bisschen Geld in die Kasse – immerhin, aber zum Überleben reicht das nicht, erzählt Cocktailbar-Betreiberin Anastasia aus Berlin-Schöneberg im Podcast. Seit der Krise haben sie Existenzängste, denn 90 Prozent ihrer Einnahmen sind weggebrochen.

"Eine Bar ist ein gesellschaftlicher Ort. Man trifft sich, man unterhält sich. Das fehlt hier natürlich auch."
Anastasia Schöck-Bocheński, Bar-Betreiberin aus Berlin-Schöneberg

Fakten zu Alkohol und Corona:

  • Die Theorie: Alkohol trinken, tötet das Coronavirus ab. Ist da was dran? Nein, völliger Schwachsinn! Alkohol schwächt unser Immunsystem und macht es anfälliger für Erkrankungen.
  • Eine Brauerei in Baden-Württemberg musste wegen der Corona-Pandemie
    1500 Liter Bier vernichten
    . Der Grund: Das gelagerte Bier wird schlecht. Niemand kauft der Brauerei mehr die Bierfässer ab.
  • Seit dem Beginn der Corona-Pandemie kaufen die Deutschen deutlich mehr Alkohol. Das zeigen Zahlen der GfK-Konsumforscher. Im Vergleich zum Vorjahr stieg im März der Verkauf von Wein um mehr als 34 Prozent, von klaren Spirituosen um 31,2 Prozent, von Bier um 11,5 Prozent und von Alkoholmischgetränken um über 85 Prozent an.
Podcast zur Sendung
  • Ab 21
  • Moderator:  Dominik Schottner
  • Gesprächspartnerin:  Dr. Anne Koopmann, Oberärztin an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim
  • Gesprächspartnerin:  Anastasia Schöck-Bocheński, Bar-Betreiberin aus Berlin-Schöneberg
  • Gesprächspartner:  Niklas Potthoff, DLF-Nova-Reporter