Machtmissbrauch, Sexualmoral, die Rolle der Frau in der katholischen Kirche, der Zölibat: Die katholische Kirche hat einige Themen, über die sie reden muss. In Deutschland soll das jetzt passieren - vor allem auch, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Laut einer Umfrage haben nur noch 14 Prozent der Deutschen Vertrauen in die katholische Kirche als Institution. Vor allem der Missbrauchsskandal hat zu der Vertrauenskrise beigetragen - und aus der Sicht der Opfervertreter hat die katholische Kirche bisher keine glaubwürdige Aufarbeitung geleistet.

Um das zu ändern, und um das Vertrauen in die katholische Kirche wiederherzustellen, wurde der sogenannte "synodale Weg" ins Leben gerufen. Der geht zurück auf die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche, die im Jahr 2018 veröffentlicht wurde. In dieser "MHG-Studie" wurde offengelegt, dass Tausende Minderjährige in Deutschland von Mitgliedern der katholischen Kirche missbraucht wurden.

Bischöfe: Es muss sich etwas ändern

Der synodale Weg, ein Gremium aus 230 Geistlichen, Bischöfen und Laien, soll nun diskutieren, welche Reformen die katholische Kirche anstreben soll. Am Freitag (31.02.2020) gab es die erste Versammlung. Zumindest verbal gebe es die Absicht, etwas zu verändern, sagt die Journalistin Christiane Florin. "Auch, um das Risiko sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche zu minimieren."

"Das Gefühl unter den Bischöfen war damals: Es muss sich etwas ändern. Wir müssen über Macht sprechen, über Sexualmoral, den Zölibat."
Christiane Florin, Journalistin

Bei den Synodenversammlungen, die nun beginnen, sollen die Themen Machtmissbrauch, Sexualmoral, die Rolle der Frau innerhalb der katholischen Kirche und der Zölibat behandelt werden.

Christiane Florin glaubt, dass diejenigen, die sich jetzt in dem Reformprozess engagieren, wirklich etwas verändern möchten. Auch die Tatsache, dass bei den 230 Mitgliedern, die der Synode angehören, 70 Frauen vertreten sind, werteten viele Beobachter schon als Erfolg, sagt Christiane Florin.

Viele sind aber auch kritisch. Anfang der 1970er Jahre gab es schon einmal eine Synode in Würzburg, bei der ähnliche Themen besprochen wurden. Auch damals habe es große Ideale und Hoffnungen gegeben, sagt Christiane Florin. Am Ende sei aber nicht viel dabei herausgekommen.

Wenig Beteiligung von Kirchenmitgliedern

Problematisch sei auch, dass sich der Großteil der katholischen Kirchenmitglieder kaum an den Reformprozessen und der Diskussion um Veränderungen beteilige, so die Journalistin.

"Es gab meines Wissens 3000 Eingaben zum synodalen Weg, aber wir haben 23 Millionen katholische Kirchenmitglieder in Deutschland. Also das Gros schweigt, zahlt still oder tritt still aus."
Christiane Florin, Journalistin

Angesichts der Synode, die in Frankfurt stattfindet, stellt sich auch die Frage, inwieweit Beschlüsse, die in Deutschland gefasst werden, für die Weltkirche Bedeutung haben könnten. "Dann müsste es ein Konzil geben", sagt Christiane Florin. Das hält sie allerdings für einigermaßen unwahrscheinlich, weil der Diskussionsstand in anderen Ländern hinterherhinke. "Manchen Bischöfen fehlt anderswo einfach das Problembewusstsein."