Bei Gott stellen sich die meisten wohl einen bärtigen alten Mann vor. Dabei wurde Gott in der Bibel nie als nur männlich bezeichnet, sagt Anna-Sophia Kleine von der Katholischen Studierenden Jugend. Ein Gendersternchen soll das nun ausdrücken.

Für die 21-jährige Anna-Sophia Kleine ist Gott ein Gefühl, angekommen zu sein und geliebt zu werden, so wie man ist. Für sie als Referentin beim Verband Katholische Studierende Jugend ist Gott nicht nur der Vater oder Herr, sondern viel mehr. Auf Anregung der Mitglieder hat der Verband vor kurzem sein Grundsatzprogramm überarbeitet und schreibt seitdem "Gott*" - mit einem Gendersternchen.

Diese Änderung soll die Menschen anregen, sich Gedanken darüber zu machen, wer für sie Gott wirklich ist und darauf aufmerksam machen, dass Gott von Beginn an nie nur als männlich verstanden wurde, sagt Anna-Sophia Kleine.

"Wir wollen irritieren und die Menschen dazu verleiten, nochmal über Gott nachzudenken. Uns ist es eben wichtig, dass Gott nicht nur Mann oder nur Vater ist."
Anna-Sophia Kleine, Referentin beim Verband Katholische Studierende Jugend

Dem Verband geht es dabei zu zeigen, wie der Glaube über die Jahrhunderte hinweg von den Menschen "eine Maske auferlegt bekommen hat", erklärt Anna-Sophia Kleine. Allerdings sollen alte Traditionen wie das "Vater Unser" nicht umbenannt werden.

Jeder soll sich ein eigenes Bild machen

Obwohl man sich laut der Bibel kein Bild von Gott machen solle, findet es Anna-Sophia Kleine dennoch sehr wichtig, dass jede Gläubige und jeder Gläubige ein ganz individuelles Bild von Gott haben sollte. Nur so könne man auch wirklich eine Verbindung zu ihm aufbauen. Das Gendersternchen soll diesen Prozess nun stärker anstoßen. Denn so wie unsere Sprache Gott nicht vollständig beschreiben könne, drücke auch das Gendersternchen etwas aus, dass man nicht beschreiben könne.

"Ein Gendersternchen wird ja genau dazu genutzt, um zu sagen: Hier ist etwas, das unsere Sprache nicht beschreiben kann. Deswegen haben wir uns auch für ein Sonderzeichen entschieden, um Gott näher zu bringen."
Anna-Sophia Kleine, Referentin beim Verband Katholische Studierende Jugend

Während der Diskussionen um eine neue Schreibweise von Gott gab es zudem auch die Überlegungen, die Buchstaben auf dem Kopf zu schreiben oder zu vertauschen. Auch aus praktikablen Gründen sei es dann das Gendersternchen geworden.

Aktion stößt auf gemischtes Feedback

Anna-Sophie Kleine berichtet, dass sie viel Feedback erhalten habe, oft unreflektiert, wenn die Menschen schon aufgrund des Titels in der Berichterstattung ihren Unmut ausgedrückt hätten.

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Innerhalb der Kirche hat die junge Referentin jedoch das Gefühl, dass sie einen guten Diskurs anstoßen konnte. Vor allem von anderen Jugendverbänden würde sie viel positiven Zuspruch erhalten. Viele seien von dem neuen Ansatz begeistert.

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Traditionen sollen bewahrt werden

Bei alten Liedtexten, in denen ein "Herr" vorkommt oder dem "Vater Unser" sieht Anna-Sophia Kleine nicht die dringende Notwendigkeit, eine weibliche oder geschlechtsneutrale Version hinzuzufügen. Hier gehe es auch um uralte Traditionen, die nicht von Grund auf immer schlecht sein müssten. Vor allem das Gebet "Vater Unser" würde die Christinnen und Christen auf der ganzen Welt verbinden, weil es so ist, wie es ist, und deshalb könne es weiterhin so genutzt werden.

"Gerade auch das 'Vater Unser' darf ruhig bleiben wie es ist, weil es so wie es ist, besonders ist und die Christinnen auf der ganzen Welt eint."
Anna-Sophia Kleine, Referentin beim Verband Katholische Studierende Jugend

Aber, um solche Gebete und Lieder nicht zu ändern, sei es ihnen umso wichtiger, dass im Geschriebenen signalisiert werde, dass Gott mit Gendersternchen mehr sei, sagt Anna-Sophie Kleine.