Heutzutage gehört gute Laune zum guten Ton, meint Autorin Andrea Gerk. Deshalb hat sie das "Lob der schlechten Laune" geschrieben, weil diese produktiv mache. Wirklich?

Irgendwann fiel es ihr auf: Sie kam öfters mit mieser Laune auf die Arbeit und immer häufiger fragten ihre Kollegin sie, ob denn alles in Ordnung sei. "Natürlich", dachte sich die Autorin und Journalistin Andrea Gerk, "dürfen wir denn nicht mal mehr schlecht gelaunt sein?"

Kein Bock auf Dauergrinsen

Eigentlich ist so ein bisschen betrübt sein doch ganz positiv, findet Andrea. Und dieser Zwang zum positiven Denken nervt doch. Selbst bei Schicksalsschlägen sollen wir heutzutage noch etwas Positives darin sehen, dass ein enger Freund gestorben ist. Andrea findet das Quatsch, das raube doch noch mehr Kraft. Deshalb steht neben all den Glücksratgebern, die unser Leben optimieren wollen, nun auch das "Lob der schlechten Laune". 

"Manchmal kann man sich nicht dagegen wehren. Das ist ja auch reizvoll, das hat ja was Archaisches."
Andrea Gerk hat gerne schlechte Laune

Seit der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 scheine die brasilianische gute Laune auch bei uns angekommen zu sein. Andrea meint auch, dass sie im Supermarkt ziemlich oft überschwänglich begrüßt wird, fast schon amerikanisch. All das reicht ihr nun. 

Typisch Deutsch: schlechte Laune?

Mit einem mürrischen Gesicht lebt es sich aber gar nicht so schlecht, findet Andrea. Für ihr Umfeld kann das natürlich anders sein, aber sie findet es selbstbewusst, die schlechte Laune auszuleben - und nicht immer so zu tun, als wäre alles so gut wie auf Instagram.

​"Wir beschäftigen uns viel mehr mit Ernährung, Aussehen und dazu gehört auch ein funktionierendes Gemüt."
Andrea Gerk, Autorin

Schlechte Laune kann dafür sorgen, dass Andrea Dinge in ihrem Leben verändert. Bei guter Laune hat sie gar kein Bedürfnis, etwas zu ändern. Aber wenn sie sich bei ihrer Arbeit als Journalistin ärgert, dass ihr einfach kein Ende für einen Text einfällt, dann kommt sie ins Grübeln und kann sich fragen: Warum klappt es gerade nicht? 

Problemlösungsansporn

Dass schlechte Laune zum Leben gehört, zeigen auch Filme und Serien wie Ekel Alfred und Dr. House. Und die gute Nachricht ist: Launen sind flüchtig. Wenn unser Chef also mal wieder unseren Tag vermiest - es wird auch wieder besser werden.