Angeblich sollen Frauen besonders gut im Multitasking sein. Das hätte die Evolution so schon vorgesehen. Forschende der RWTH Aachen und der Uni Koblenz-Landau sagen: Das stimmt so nicht!

Herausgefunden haben die Wissenschaftler das im Rahmen eines Experiments, das sie mit etwa 100 Männern und Frauen durchgeführt haben. Für die Studie haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Aufgaben gelöst:

  1. Bei Buchstaben entscheiden, ob es sich um einen Konsonanten oder einen Vokal handelt und bei Zahlen, ob diese gerade oder ungerade sind. Im Anschluss mussten die Männer und Frauen am Computer die dazu passende Taste auf der Tastatur auswählen.
  2. Im weiteren Verlauf des Experiments sind die Buchstaben und Zahlen links oder rechts auf dem Bildschirm aufgetaucht. Parallel sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die jeweils korrekte Taste mit der linken oder rechten Hand bedienen.

Ergebnis: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Probleme, die Aufgabe mittels Multitasking zu lösen – unabhängig vom Geschlecht. Ähnliches hat auch eine ältere Studie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung im Jahr 2010 ergeben.

Multitasking stresst das Gehirn von Männern und Frauen

Bei der älteren Studie sollte eine Gruppe von 60 Frauen und Männern am Computer Autofahren, Straßenschilder beachten und auch die Fahrspur wechseln. Parallel sollten sie eine Nummer ins Handy tippen, ein Taschentuch aus der Verpackung ziehen oder eine vorgegebene Menge Geld aus dem Portemonnaie herausnehmen.

Auch hier das Ergebnis: Es gibt keinen Unterschied. Die Multitasking-Aufgabe stressen Männer wie Frauen - wodurch beide schlechter Auto fuhren.

Keine pauschalen Aussagen beim Multitasking

Pauschal könne man beim Thema Multitasking nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden, fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler zusammen. Laut der Forschenden der RWTH Aachen und der Uni Koblenz-Landau sei es bei Experimenten zum Thema Multitasking entscheidend, was sie genau testen und welche Fähigkeiten sie damit abfragen.

Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova
"Das menschliche Gehirn sei dafür gemacht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Viele Dinge gleichzeitig zu tun, findet unser Gehirn generell doof."

Für unser Gehirn sei Multitasking generell anstrengend, schreiben die Autorinnen und Autoren. Es konzentriere sich in erster Linie immer auf das Wichtigste. Daher seien Frauen beim Multitasking auch nicht evolutionär besonders bevorzugt.