Wenn im Spätsommer die Wespen hektisch schwirren, liegt das daran, dass ihnen in ihrem Nest die Nahrung ausgeht. An uns sind sie gar nicht interessiert, nur an Essen. Angst ist unnötig – wenn ihr es richtig macht, lassen sie sich sogar ganz friedlich mit der Hand füttern.

Wenn ihr eine Insekten-Phobie habt, müsst ihr jetzt ganz stark sein: Deutschlandunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz füttert Wespen mit der Hand! Früher hatte sie auch mal Angst, erzählt sie, aber dann hat sie es einfach ausprobiert. Wenn heute eine Wespe ankommt, dann packt sie etwas Honig oder Marmelade auf ihre Fingerspitze, lässt die Wespe landen und wartet ab.

"Seit ich das ausprobiert habe mit der Handfütterung, weiß ich: Wenn ich ruhig bleibe, ist das wirklich ein friedliches Zusammensein."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz über das Wespenfüttern

Die Insekten schlecken das Futter ganz entspannt weg, sagt Verena. Dabei kann sie gut beobachten, wie das Tier mit den Fühlern wackelt, mit den Mundwerkzeugen arbeitet – und, ja, mit dem bedrohlich wirkenden Hinterleib pumpt. Auch Verena wird es dann noch mulmig, gibt sie zu. Aber seit sie mit der Handfütterung begonnen hat, hat sie gelernt: Wenn sie ruhig bleibt, passiert auch nichts.

Jetzt im Spätsommer sind besonders viele hungrige Wespen unterwegs. Das hat mit dem Jahresrhythmus der Wespenvölker zu tun, erklärt Verena. In ihren Nestern sind jetzt nämlich immer weniger Larven. Und die produzieren für ihre Betreuerinnen sozusagen Kraftfutter.

Wespen-Larven produzieren Zucker für erwachsene Wespen

Die Larven werden vom Frühjahr an von den erwachsenen Wespen mit proteinreichem Futter versorgt. Die fangen Fliegen, Raupen und andere Tiere und spielen damit übrigens auch eine wichtige Rolle bei der Schädlingsbekämpfung von Nutzpflanzen.

Die erwachsenen Tiere selbst nehmen Zucker als Nahrung zu sich. Zum Teil decken sie ihren Bedarf aus Blütennektar, sind also auch als Bestäuber unterwegs wie Bienen. Den Großteil ihrer Nahrung aber produziert ihre Brut: Werden die Larven gefüttert, sondern sie Zuckertröpfchen ab, die die großen Wespen verputzen.

Anders als Bienenvölker überwintern Wespenvölker nicht, nur die jungen Königinnen bleiben übrig, die im nächsten Jahr wieder ein neues Volk aufbauen. Deshalb schrumpft das Volk zum Herbst hin, es gibt immer weniger Nachwuchs – und damit auch weniger Süßes für die Arbeiterinnen.

"Blumen mit Nektar sind jetzt auch vielerorts verblüht – da bleibt den Wespen-Rentnerinnen fast nur noch, auf Mundraub zu gehen bei uns."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Wespen-Rentnerinnen sind dann vermehrt draußen auf Nahrungssuche. Dass sie dabei aggressiv wirken, ist eine menschliche Fehlinterpretation, sagt Verena. Sie fliegen einfach nur in ihrem hektischen Zickzack-Kurs und sind stur und penetrant auf Fressen fokussiert. Wir Menschen interessieren sie eigentlich gar nicht.

Wespen sind überwiegend friedlich

Überhaupt gibt es nur zwei Wespenarten, die dem Menschen auf die Pelle rücken: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Alle anderen Wespenarten lassen Menschen in Ruhe. Auch Hornissen sind viel friedlicher, als ihre Größe befürchten lässt.

Wenn ihr keine Lust auf Wespenzähmen habt wie unsere Reporterin, dann habt ihr derzeit leider schlechte Karten. Denn wenn die Wespen mit ihrem sehr guten Geruchssinn einen Leckerbissen ausgemacht haben, dann hält sie nichts davon ab. Hausmittelchen wie ätherische Öle, Kupfermünzen oder verbrannter Kaffee schrecken sie nicht ab.

Ablenkfütterung kann helfen, braucht aber Zeit

Am ehesten könnt ihr - wenn ihr den Platz habt - mit einer anderen Futterstelle von eurem Kuchenteller oder Marmeladenbrot ablenken. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen – das muss über einige Tage trainiert werden. Und dann läuft man Gefahr, dass so ein Platz noch mehr Wespen anlockt und die eine oder andere dann doch einen Abstecher zum Frühstückstisch macht.

Also: Ruhe bewahren und das Gesummse einfach ertragen. Ein paar Tipps:

  • langsam bewegen
  • nicht anpusten
  • nicht nach den Wespen schlagen
  • aufpassen, dass sie nicht in den Mund geraten

Wer so gar keine Geduld hat, kann es mit Wasser aus einer Sprühflasche versuchen. Aber Vorsicht: Eure Kuchengäste finden eine Dusche im Spätsommer vermutlich nicht wirklich lustig.