Erst durfte sie coronabedingt nicht arbeiten, dann kam der Ansturm: Mary ist ausgebildete Kellnerin – ihr Job ist gerade wirklich anstrengend. Die Einhaltung der Hygienemaßnahmen ist eine Herausforderung und das Trinkgeld ist mau.

Sie bringen schnell das Essen, balancieren scheinbar mühelos große, heiße Teller und sind dazu immer freundlich, egal wie frech die Gäste sind: So sind jedenfalls viele Leute, die im Service arbeiten.

Mary ist eine von ihnen und arbeitet in einem bayerischen Gasthof. Seit der Wiedereröffnung in der Pandemie muss sie nicht nur schnell die Leute bedienen, sondern auch noch darauf achten, dass sie Masken tragen und sich in die Kontaktliste eintragen.

"Du hast Leute, die reinkommen, sich nicht in die Listen eintragen, keine Maske tragen und sich benehmen, als wären sie in ihrem eigenen Esszimmer."
Mary, Kellnerin

"Davon sind die Leute genervt und diese allgemeine Spannung, die in der Luft liegt, schlägt sich auch bei uns nieder", damit meint sie die allgemeine Stimmung, die seit dem Corona-Ausbruch in Deutschland zu spüren ist.

Mehr Gäste und dafür weniger Trinkgeld

In diesem Sommer waren nach Marys Einschätzung, trotz Corona, mehr Gäste da als gewöhnlich. Gerade viele Radfahrende haben in dem Gasthof Halt gemacht und sich gestärkt. Das Trinkgeld ist deshalb aber nicht proportional angestiegen, sondern eher weniger geworden, sagt sie.

"Ich habs nie hinterfragt und eher gedacht, dass die Leute eine harte Zeit während Corona haben." Vor der Pandemie hat sie durchschnittlich 150 bis 200 Euro im Monate extra bekommen, in diesem Jahr sind es eher 50 Euro weniger.

"Die haben sich wirklich zehn, zwanzig Cent rausgeben lassen, das war früher nicht so."
Mary, Kellnerin

Besonders aufgefallen sei ihr dieser Trend an der Selbstbedienungstheke, da hätten sich Leute sogar kleinste Restbeträge wiedergeben lassen. Genervt ist Mary deshalb nicht: "Ich sehe das Trinkgeld eher als Bonus und Taschengeld für Belohnungen." Sie ist grundsätzlich mit ihrem Lohn zufrieden, aber freut sich über etwas extra Geld.

Mary findet acht bis zehn Prozent Trinkgeld ausreichend

Die ausgebildete Kellnerin empfindet acht bis zehn Prozent Trinkgeld als angemessen, wenn die Leute mit dem Service zufrieden waren. "Wenn es etwas weniger ist, finde ich das auch ok", außerdem erwarte sie nicht von allen Menschen diese Geste, die sich das Extrageld vielleicht nicht leisten können.

"Ich habe auch mal Geld in die Hand gedrückt bekommen, weil ich den ganzen Tag Maske tragen muss und den Leuten leid tue."
Mary, Kellnerin

Allerdings gibt es auch Ausnahmen und manche Menschen geben sogar extra mehr Trinkgeld, um die Gastronomie in der Pandemie zu unterstützen. Ein sehr positive Erinnerung hat sie an eine Hochzeit: "Die haben nur ganz locker Kaffee und Kuchen bestellt, mussten 400 Euro bezahlen und haben uns noch 400 Euro Trinkgeld gegeben."