Bei Atomkraftwerken in Deutschland ist es klar geregelt: Bis 2022 soll das letzte vom Netz sein. Aber wie steht es um Forschungsreaktoren? Hierfür wurde nach der Atomkatastrophe von Fukushima keine Regelung getroffen. Heinz Smital von Greenpeace stellt grundsätzlich den Sinn von Forschungsreaktoren in Frage.

Insgesamt gibt es noch sieben Forschungsreaktoren in Deutschland – vier kleine und drei große. Von den drei großen ist heute einer abgeschaltet worden: Der Forschungsreaktor BER II des Helmholtz-Zentrums in Berlin Wannsee.

Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie.
© imago | Wiegand Wagner

Inmitten von idyllischer Natur war der Atomreaktor vielen Anwohnern ohnehin ein Dorn im Auge. Sie fühlten sich unsicher, wegen der unkalkulierbaren Gefahr, wie viele sagen.

Materialforschung an Forschungsreaktoren

46 Jahre lang war BER II im Einsatz. Im Gegensatz zu Atomkraftwerken wurde hier mit Kernspaltung nicht Wärme oder Strom erzeugt. Hier geht es um Forschung.

Mit Neutronen wurden Untersuchungen gemacht, beispielsweise zu Materialeigenschaften. Weil Neutronen neutrale, atomare Teilchen sind, können sie Material gut durchdringen, erläutert Heinz Smital. Er ist Kernphysiker und Atomexperte bei Greenpeace.

"Zum Beispiel kann man sich anschauen, wie die Struktur von Spinnweben ist, die ja eine höhere Festigkeit haben als Stahl."

Auch wenn in Berlin die Ära des Atom-Forschungsreaktors zu Ende gegangen ist – die Frage, wie lange die anderen noch angeschaltet bleiben, ist ungeklärt. Dafür gibt es keine Regelung. Anders als bei den Leistungskraftwerken, wie Heinz Smital sie nennt, also den AKW in Deutschland. Die müssen bis Ende 2022 vom Netz sein.

Forschungsreaktoren nicht so gefährlich wie AKW

Zwar seien die drei großen Forschungsreaktoren in Berlin, Mainz und München nicht so gefährlich wie andere Atomkraftwerke, trotzdem fordere Greenpeace höchste Sicherheit bei den Forschungsreaktoren, sagt Heinz Smital.

"Die Angst, neben so Reaktoren zu wohnen, kann ich schon nachvollziehen."

Heinz Smital von Green Peace erläutert, dass Leistungsreaktoren, im Gegensatz zu Forschungsreaktoren durch das große radioaktive Inventar so problematisch seien. Ein weiterer Punkt sei die Nachwärme. Die sei bei Forschungsreaktoren viel leichter in den Griff zu bekommen, wohingegen sie bei Leistungsreaktoren zu Kernschmelzen führen könne.

Auch bei Forschungsreaktoren entstehen Spaltprodukte oder Plutonium, so Heinz Smital. Die Problematik bei den Forschungsreaktoren ist, dass sie in der Nähe von besiedelten Gebieten sind. Also dass radioaktives Material freigesetzt werden könnte - im Falle einer Verkettung unglücklicher Ereignisse.

Kritik: Forschungsreaktoren = rausgeschmissenes Geld

Der Kernphysiker kritisiert, dass in Deutschland überhaupt noch an Kernreaktoren geforscht wird. Es sei einerseits zu bemerken, dass sie Forschung das gesteigerte Interesse der 1950er und 1960er Jahre an Atomkraft längst verloren habe. Inzwischen seien Nanoforschungsprojekte viel spannender.

Andererseits formuliert er den Vorwurf, dass hier Geld verschwendet werde, da die Forschung an Reaktoren auf alten Konzepten basiere. Es gebe andere Möglichkeiten, mit Neutronen zu forschen oder Materialforschung zu betreiben, so Heinz Smital.