Wer Alltagsprodukte wie Kaffee, Lippenstift oder Smartphone daraufhin überprüfen will, ob Kinderarbeit drin steckt, stößt schnell an Grenzen. Die Vertriebswege sind schwer verifizierbar - Experten raten zu fair-gehandelten Produkten.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier in Deutschland Produkte nutzen, für die Kinder arbeiten mussten, ist sehr hoch", sagt Verena Haan, Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International.

Schauen wir allein auf die ersten Stunden unseres Alltags, unser Frühstücksmüsli mit Schoko, den Kaffee, das Duschgel oder die Zahnpasta, nicht zuletzt auch das Smartphone - in allen Produkten kann Kinderarbeit drin stecken.

"Cobalt steckt in Dingen drin, die viele von uns tagtäglich nutzen, also zum Bespiel Handys, Laptops, Tablets oder andere technische Geräte."
Verena Haan, Amnesty International

Dieses Cobalt stammt hauptsächlich aus Minen im Congo: Amnesty International berichtet, dass dort an die 40.000 Kinder zwölf Stunden pro Tag arbeiten. Sie tragen schwere Lasten und verdienen damit ein bis zwei Dollar.

Auch in vielen Kosmetikprodukten steckt Kinderarbeit drin, denn häufig ist der Mineralstaub Mica enthalten, der beispielsweise Lidschatten und Lippenstift schön schimmern lässt.

"Mica stammt sehr wahrscheinlich aus Indien - aus Kinderhand."
Antje Rumann, Referentin für Kinderrechte von Terre des Hommes

Es ist schwierig genau nachzuvollziehen, ob exakt in diesem oder jenem Produkt Kinderarbeit drin steckt, da die Vertriebswege so nebulös sind. Das lässt sich am Beispiel von Mica ganz gut demonstrieren. 90 Prozent der Mica-Minen sind nämlich nicht offiziell. Da diese meist von Familien betrieben werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass da Kinder mitarbeiten.

Der gewonnene Mica-Staub wird von Zwischenhändlern mit Motorrädern abgeholt und auf einen großen Haufen geworfen, von wo aus er zu verschiedenen Zulieferern gelangt. Da verliert sich jede Spur. Und nach genau demselben Prinzip läuft es bei vielen Rohstoffen.

Fair gehandelte Produkte sind die bessere Alternative

Amnesty International rät Verbrauchern, bei den Unternehmen selbst auf Transparenz zu drängen. Gut sei es auch, fair gehandelte Produkte zu kaufen, was an speziellen Siegeln erkennbar ist. Problematisch bleibt aber, dass wir selbst damit keine hundertprozentige Sicherheit haben können, dass diese Produkte frei von Kinderarbeit sind.