Teure Kleidungsstücke halten nicht unbedingt länger als billige, so das Ergebnis einer Untersuchung. Wir wollten wissen, was gute Qualität ausmacht.

Fast Fashion ist schlecht. Für die Menschen, die die günstige Kleidung herstellen, bedeutet es: miese Arbeitsbedingungen, mickriger Lohn und harte Arbeit. Obendrein ist es schlecht für die Umwelt, etwa weil wir die günstigen Klamotten nur kurz tragen und dann wegwerfen, weil der Style nicht mehr angesagt ist. 

Wenn wir jetzt argumentieren, dass die Qualität unterirdisch ist und man die Teile grundsätzlich nicht öfter tragen kann, dann antworten Forscher der Uni Leeds: Das stimmt nicht. Sie haben Kleidung aller Preiskategorien untersucht und festgestellt: teuer heißt nicht gleich haltbar. Und günstig ist auch nicht billig. Wenn der Preis also nichts über die Qualität aussagt, worauf kommt es an, bei der Haltbarkeit von Klamotten?

Kleidung lange tragen ist nachhaltig

Unserer Reporterin Rebekka Endler weiß aus eigener Erfahrung, dass günstige Klamotten auch lange halten können: "In meinen Kleiderschrank hängt ein Stück Geschichte: ein schlichter grauer Pullover mit U-Boot-Ausschnitt und ¾-Ärmeln. Gekauft hab ich den 1998, für mein allererstes Date. Das ist der Pullover, in dem ich das erste Mal geküsst wurde. 19 Mark, eine lohnende Investition. In zwanzig Jahren wurde dieser Pulli einer großen schwedischen Kette circa 160 Mal bei unterschiedlichsten Temperaturen gewaschen, getrocknet und getragen. Dieser Pulli ist älter, als einige von euch und ich trage ihn immer noch."

Qualität hält

Monika Esser ist Modedesignerin aus Köln. Und in ihren Kleiderschrank hängt ein Rock, den sie sich vor 40 Jahren in der Ausbildung genäht hat. Für sie ist Kleidung nicht Mode, sondern Ausdruck der Persönlichkeit. Und sie weiß auch, woran wir erkennen, ob wir ein Kleidungsstück noch lange tragen werden oder nicht: zum Beispiel die Verarbeitung. Wenn Knöpfe nicht richtig angenäht sind und wackeln, dann ist das ein Zeichen für minderwertige Qualität.

"Ich zum Beispiel mag kleine Stiche, dichte Stiche, das ist auch ein Zeichen von Haltbarkeit."
Monika Esser, Modedesignerin aus Köln

Grundsätzlich sind Taschen – egal ob in Jacken, Hemden oder Hosen – gute Indizien dafür, wie gut ein Stoff verarbeitet wurde, sagt Monika Esser. Und die Verriegelung am Ende jeder Naht, diese kritische Stelle, die dafür sorgt, dass sich der Faden nicht löst.

"Das Auge kann da schon ganz ganz viel erkennen und man kann fühlen."
Monika Esser, Modedesignerin aus Köln

Monika Esser rät auch, dass wir uns auf unseren Tastsinn verlassen sollten. Wenn sich ein Stoff oder ein anderes Material seltsam auf der Haut anfühlt, dann ist das meist ein sehr gutes Indiz dafür, dass wir dieses Kleidungsstück nicht lange tragen werden.

Auch die Pflege beeinflusst die Haltbarkeit. Grundsätzlich waschen wir unsere Klamotten viel zu häufig. Entgegen dem, was uns die Werbung verspricht, geht es unserer Kleidung nach dem Waschen nicht besser, sondern die Fasern nutzen sich ab. Wenn irgendwas stinkt, sollten wir es lieber lüften oder ein paar Stunden in Natron einlegen, anstatt es heiß zu waschen, rät die Modedesignerin.

"Reine Wolle, wenn man die nicht gerade bekleckert, dann tut ihr Lüften viel wohler, als waschen."
Monika Esser, Modedesignerin aus Köln

Verallgemeinerungen, dass bestimmte Materialien länger halten, will Monika Esser nicht machen. Sie erklärt jedoch, dass Materialien wie etwa Kautschuk oder Elasthan, die Materialien dehnbar machen, auch dazu führen, dass Kleidungsstücke schneller ausleiern. Und mit der Zeit porös werden. Aber sie findet auch, dass Löcher nicht generell hässlich sind: "Wenn man sieht, dass das jemand wirklich gerne trägt, weil es sich auch gut anfühlt." 

Monika Esser sagt: Mode soll Spaß machen. Wenn wir uns also in ein Design verliebt haben – auch wenn es noch so alt oder schräg ist – oder, wenn wir ein Teil gefunden haben, das uns steht, dann sollten wir es auch lange tragen. Denn das ist Stil, nicht Mode. Und obendrein ist es nachhaltig. Mode sollte uns also manchmal völlig egal sein.

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