Vielleicht habt ihr die Werbeanzeigen bei Facebook oder Instagram auch schon gesehen: richtig gut aussehende Klamotten, die für richtig wenig Geld angeboten werden. Die Unternehmen dahinter heißen SheIn.com, SammyDress oder RoseGal. Alles klingt toll - bis dann das Paket zuhause ankommt. Denn viele Kleider sehen ganz anders aus als auf den Bildern. Sie riechen streng und die Qualität ist mies.

Die Kunden glauben, dass sie hochwertige Kleidung bestellen, weil die Onlineformen einfach Modefotos von anderen Homepages klauen, erklärt unserer Reporterin Sandra Pfister. Sie bekommen dann allerdings nur einen billigen Abklatsch, der nur vage an das erinnert, was sie bestellt haben. Es gibt inzwischen mehrere Facebookgruppen, in denen sich Frauen gegenseitig warnen und einige Verbraucherschutz-Homepages in Großbritannien haben offenkundig schon Tausende von Beschwerden registriert.

"Facebook kriegt das Problem offenbar nicht in den Griff, denn die Firmen tricksen auch Facebook aus."
Sandras Pfister über Klamotten-Scam im Netz

Theoretisch könnt ihr die Klamotten zurückschicken. Allerdings müsst ihr dann monatelang um euer Geld feilschen, bevor ihr es erstattet bekommt, wenn überhaupt. Nach langem Aussitzen will Facebook jetzt endlich gegen diese Modefirmen vorgehen - aber der Konzern bekommt das Problem offenbar nicht so ganz in den Griff. Denn die Firmen tricksen auch Facebook aus, indem sie fingierte Servicenummern hinterlassen oder falsche Kontaktinfos.

Mindestens acht dieser Firmen haben Verbindungen zu einer chinesischen E-Commerce-Firma, die in Shenzen sitzt. BuzzFeed hat das nachrecherchiert: Das Unternehmen heißt Egrow E-Commerce oder Global Egrow, es gibt es seit neun Jahren. Und es ist kein kleiner Fisch: Im vergangenen Jahr hat eine der bekanntesten chinesischen Kleiderfirmen, die Shanxi Bayuan Trousers, diese Firma aufgekauft - nur dadurch wissen wir überhaupt etwas über Egrow.

In mehrfacher Hinsicht illegal

Das Gebaren der Unternehmen ist in mehrfacher Hinsicht illegal: Die Originalbilder dürfen nicht gestohlen werden, und die Abbildung darf auch nicht irreführend sein. Das Problem: Gegen Copyright-Verstöße müssen die Originalhersteller klagen. Das tun sie aber offenbar nicht. Das könnte daran liegen, dass keine ganz bekannten Edelmarken dahinterstecken. Aber vielleicht fühlen sich viele der Firmen auch gar nicht angegriffen, weil die chinesischen Firmen gar nicht erst behaupten, Chanel-, Lagerfeld- oder Versace-Klamotten zu liefern, sagt Sandra Pfister.