Ein Start-Up will ein Stirnband entwickeln, dass uns hilft steuerbare Träume zu träumen. Dafür sucht es gerade per Kickstarter Unterstützer. Abgefahren oder echt möglich?

Das sind die besten Träume: wir sind nicht nur der Star des Plots, sondern wir können sogar aktiv eingreifen, was passiert. In sogenannten Klarträumen sind wir uns bewusst, dass wir träumen. Mit einer Kickstarter-Kampagne sucht ein Start-Up aus den USA nun nach Unterstützern für sein Produkt: Ein Stirnband, das helfen soll Träume bewusst zu erleben.

So gaga-futuristisch wie es auf den ersten Blick wirkt, ist zumindest die Grundidee nicht. Es geht um eine leichte Aktivierung des Gehirns mittels Elektroden. Dabei werden niedrigfrequente elektrische Impulse vor allem im vorderen Gehirnbereich gesetzt – ähnlich wie die Muskelstimulationsgeräte vom Orthopäden, erklärt Michael Schredl, Schlafforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim.

Unsicheres Spielzeug

Eine andere Frage ist jedoch, inwieweit die Idee alltagstauglich und auch sicher ist. Michael Schredl sieht das kritisch. Er hat zum Thema Klarträume geforscht und selbst Versuche durchgeführt.

"Es gibt zwei Studien, die nachweisen, dass die Stimulationen ein bisschen helfen, dieses Bewusstsein während des Träumens zu erreichen."
Michael Schredl, Schlafforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim

Eine dieser Studien wurde 2014 am Henry Ford Hospital Sleep Disorders and Research Centers durchgeführt: Sie kam zudem Ergebnis, dass bei knapp 60 Prozent der Probanden Klartäume induziert werden konnten. Den Sprung zu einem kleinen Klar-Traum-Stirnband für zuhause hält Michael Schredl aberfür deutlich zu groß. Die gleichen Voraussetzungen wie im Schlafflabor lassen sich so nicht herstellen.

"Wahrscheinlich hat es nur einen wirklich kleinen Effekt. Aber ich würde vermuten, dass es im praktischen Setting wenig Erfolg haben wird."
Michael Schredl, Schlafforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim

Tipps zum Klarträumen

Aber es gibt Möglichkeiten, auch ohne Gadgets, das Klarträumen zu trainieren. Beispielsweise mithilfe der sogenannten "Realitätschecks", erklärt der Schlafforscher. Das funktioniert so: Fünf bis zehn Mal täglich stellen wir uns die Frage "Träume ich oder bin ich wach?" Kurz visuell gegenchecken, sodass wir im Wachzustand eigentlich immer zur Antwort "Ja, ich bin wach" kommen sollten.

Mit der Zeit und vielem Üben wird die Frage zur Gewohnheit. Das führe dazu, so Michael Schredl, dass wir anfangen uns diese Frage auch im Traum zu stellen. Nur wenn wir hier unsere Welt beobachten, merken wir schon eher "Da stimmt etwas nicht." Wir können etwa Wände hochlaufen oder auch sonst sind die Gesetze unserer Traumwelt anders als im Wachzustand.

"Das Klarträumen wird auch in der Therapie zur Behandlung von Albträumen eingesetzt."
Michael Schredl, Schlafforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim

Durch diese Methode bekommen wir Einfluss auf die Träume. "Dann kann man Dinge machen, die man will: Fliegen oder andere schöne Sachen.", sagt Michael Schredl. Wie gut das funktioniert, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich, erklärt der Schlafforscher. Neben wenigen Naturtalenten, gibt es Menschen die monatelang üben müssen. "Das hängt von der Motivation, aber auch etwas von der Begabung ab", sagt er. Im Idealfall könne sich das dann als mentales Training im Schlaf einsetzen lassen.

Das fancy Elektroden-Strinband macht aber aus jemanden, der noch nie solche Träume hatte, nicht den Super-Klarträumer, glaubt Michael Schledl. Für die gibt es ja vielleicht immer noch Tagträume.

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