Der Arganbaum wächst weltweit zwar nur in Marokko, sieht aber relativ normal aus. Wären da nicht die Ziegen, die auf seine Äste klettern und sich dort den Bauch vollschlagen.

Wer als Vogelbeobachter in Marokko unterwegs ist und mit seinem Fernglas auf einen Arganbaum schwenkt, könnte vor Schreck seine Sehhilfe fallen lassen. Denn hier stehen die Ziegen nicht im Stall, sondern auf den Ästen, gerne auch ziemlich weit oben. An manchen Tagen tummeln sich gerne zehn oder mehr Hausziegen auf einmal in den Baumkronen.

Weil die Ziegen in einer sehr trockenen, wüstenähnlichen Region leben, sind Gras und andere Pflanzen am Boden natürlich Mangelware. Deswegen treibt sie nicht die Lust an der Bewegung rauf auf die Bäume, sondern der nagende Hunger.

Den können die Tiere oben im Baum durch Blätter, aber vor allem durch die gelben, pflaumenähnlichen Früchte der Arganbäume stillen, die aufgrund ihres bitteren Geschmacks für uns Menschen völlig ungenießbar sind.

Kot der Kletterziegen für exklusives Speiseöl

Der Arganbaum zählt zu den ältesten Bäumen der Welt, existiert bereits seit 25 Millionen Jahren und kommt ausschließlich im Südwesten Marokkos vor. Er wächst relativ flach und verzweigt sich früh, so dass die Ziegen locker an ihm hochklettern können.

Die Kerne der Arganfrucht fressen die Ziegen zwar mit, können sie aber nicht verdauen und scheiden sie mit dem Kot wieder aus. Gut für die Bauern in der Region, denn sie lesen die Kerne wieder auf und stellen daraus eines der teuersten Öle der Welt her, das sogenannte Arganöl. Das nussartig schmeckende Öl, wird sowohl in der Küche als auch in der Kosmetik und zur Haarpflege verwendet. Die Schauspielerin Catherine Zeta-Jones schwört darauf.

Hausziege mit Feintuning fürs Gebirge

Das Erklimmen der Baumkrone ist für die Ziegen kein Problem, denn das Klettern liegt ihnen in den Genen. Die Vorfahren unserer Hausziegen lebten nämlich im Hochgebirge und konnten dort nur dank ihrer famosen Kletterkünste überleben.

Die wichtigste Kletterhilfe für Ziegen sind ihre Hufe. Während die Sohlenfläche der Hufe weich und anschmiegsam ist, und sich daher leicht jeder Geländeunebenheit anpassen kann, ist der Hufrand deutlich härter, so dass sich die Ziege an kleinen Vorsprüngen regelrecht festhaken kann.

Hilfreich sind auch die Hufklauen, die sich gegeneinander verschieben lassen und so auch an sehr steilen Stellen immer ausreichend Bodenkontakt vorhanden ist. Weiterhin nützlich für das Besteigen der Bäume sind die relativ kurzen, aber dennoch sehr muskulösen Beine und die Tatsache, dass der Körperschwerpunkt der Ziegen relativ tief sitzt.