Die Landwirtschaft gilt als einer der größten CO2-Verursacher und treibt somit den Klimawandel voran. Deshalb wird darüber gestritten, wie eine veränderte Landwirtschaft aussehen müsste, damit sich das ändert. Eine Idee: Umstellung auf Öko-Landwirtschaft. Forschende aus Großbritannien haben dazu herausgefunden: Das könnte sogar noch schädlicher fürs Klima sein.

Forschende aus Großbritannien haben in dem Fachmagazin Nature die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlicht. Darin haben sie untersucht, was passieren würde, wenn England und Wales für Getreide und Gemüse komplett auf Ökolandbau, also auf "bio", umstellen würden. Gute Nachricht: Es gäbe in England und Wales tatsächlich etwa 25 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen. Gleichzeitig würden aber auch die Erträge um 40 Prozent zurückgehen.

Nur Bio-Anbau könnte zu mehr Importen führen

Die schlechte Nachricht: Ausgehend von der aktuellen landwirtschaftlichen Produktion müssten Lebensmittel aus anderen Ländern zugekauft werden. Das sorgt für mehr Verkehr und damit für mehr CO2. Gleichzeitig würde – angenommen im Ausland wird noch vorherrschend konventionell angebaut, dort die Landwirtschaft steigern und somit ebenfalls die CO2-Emissionen erhöhen. Es müssten zusätzliche Wald-und Grünflächen für die Landwirtschaft erschlossen werden. Letztendlich würde das 1,7-Fache an Treibhausgasen ausgestoßen werden.

Gerade die letzte Zahl sei jedoch nur eine grobe Schätzung, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobias Jobke. Man könne nicht die genaue Menge an Treibhausgasen berechnen, die bei einer kompletten Umstellung auf Bio-Anbau frei würden. Dies hänge von verschiedenen Faktoren ab wie der der Größe der bebauten Fläche oder dem Ertrag.

Grundsätzlich ist Öko-Landwirtschaft eine gute Idee

Die Öko-Landwirtschaft bietet mehrere Vorteile für mehr Klima-, Umwelt- und Naturschutz. Beispielsweise bewirtschaftet die Öko-Landwirte die Felder so, dass die Böden einen höheren Humusgehalt haben. Dadurch können sie mehr CO2 binden als Ackerböden der konventionellen Landwirtschaft. Außerdem ist es in der Öko-Landwirtschaft verboten, Stickstoff-Mineraldünger einzusetzen, der ebenfalls für Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist.

Als entscheidenden Klimakiller sehen die Forschenden aber nicht die ökologische Landwirtschaft!
Tobias Jobke aus den Wissensnachrichten von Deutschlandfunk Nova

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ihre Studie nicht so gelesen werden kann, dass die Öko-Landwirtschaft ein Klimakiller sei. Die Vorteile einer ökologischen Landwirtschaft könnten sich jedoch nur dann entfalten, wenn die Menschen ihre Ernährung umstellen, weniger Fleisch und tierische Produkte essen und nicht mehr so viel Lebensmittel wegwerfen. Solange laut Regierung alleine in Deutschland aber pro Person und Jahr 75 Kilo Essen auf dem Müll landen, wird "Bio" allein nicht das Klima retten.