Bedeutet die Klimakrise das Aus für den Wintersport in unseren Breiten? Was wird aus Skifahren oder Snowboarden ohne Schnee? Lösungen für Tourismusregionen sind gefragt - auch weil alpine Gebiete durch die exzessive Nutzung durch den Tourismus bedroht sind.

Seit Jahren sind die Auswirkungen des Klimawandels auch in den alpinen Regionen deutlich spürbar. Inzwischen gibt es Regionen, in denen bald gar kein Wintersport mehr möglich sein wird, bestätigt der Tourismusexperte Markus Pillmayer von der Hochschule München.

Die Reisegebiete müssten sich intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels beschäftigen und Lösungen für den Tourismus finden, meint Pillmayer. Ob inzwischen in Mittelgebirgen wie Bayrischer Wald oder Sauerland Wintersport gar nicht mehr möglich sei, kann Markus Pillmayer aber nicht bestätigen.

"Der Todesstoß ist die aktuelle Lage für niedriger gelegene Skigebiete nicht. Aber es ist der letzte Schuss vor den Bug, sich zu überlegen, wie man sich für die Zukunft mittel- und langfristig aufstellt."
Markus Pillmayer, Tourismusexperte der Hochschule München
Der Professor Markus Pillmayer von der Hochschule München
© Markus Pillmayer

Der Tourismusexperte sieht die Reisegebieten schon seit Jahren mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Die Debatte um die Zukunft des Tourismus in den betroffenen Regionen werde ideologisch als auch emotionale geführt. Es sei aber eine dringend notwendige Debatte, meint Markus Pillmayer.

Nicht ausschließlich auf den Wintersport fokussieren

Sich ausschließlich auf Wintersporttourismus zu fokussieren, sei nicht die Zukunft, sagt der Tourismusexperte. Die einzelnen Regionen sollten sich Gedanken machen, ab welcher Höhengrenze Investitionen in den Wintersport zukünftig überhaupt noch Sinn machten. "Die Verantwortlichen sollten sich ganz genau anschauen, bis zu welcher Grenze sicherer Schneefall herrscht. Bei allem, was darunterliegt, sollten sich die Verantwortlichen nach Möglichkeit neuen Ideen öffnen", sagt Markus Pillmayer.

Einfach nur Schneekanonen einzusetzen, sei keine Lösung, denn der Einsatz von Schneekanonen müsse mit dem dafür notwendigen Energieaufwand bilanziert werden. Außerdem könnten Schneekanonen nur bei entsprechenden Temperaturen eingesetzt werden, so der Hochschulprofessor. Deshalb sollten Tourismusregionen, in denen in den kommenden Jahren der Schneefall weiter zurückgehe, den Einsatz von Schneekanonen auf den Prüfstand stellen.

Wintertourismus trotz Klimakrise

Von einer radikalen Abkehr vom Wintertourismus hält Markus Pillmayer nichts, denn es gebe noch viele Touristen, die Wintersportangebote nachfragen würden. Der Gast mache nicht jeden Wandel mit, meint der Tourismusexperte.

"Wie immer gilt: Der Wurm muss dem Fisch schmecken – nicht dem Angler."
Markus Pillmayer, Tourismusexperte der Hochschule München

Auf Kritik der Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND, dass die alpinen Gebiete durch Tourismus übernutzt werden, bestätigt Markus Pillmayer, dass der Druck für die alpinen Regionen durch die vielen unterschiedlichen Nutzungsarten gestiegen sei. Durch neue technische Möglichkeiten wie Pedelec-Fahrräder könnten Touristen in Bergregionen vordringen, die sie zuvor nicht erreicht hätten.

Zwar habe ein Wandel hin zu einem nachhaltigeren Tourismus eingesetzt und es gebe Kunden, die nachhaltige Angebote nachfragten, aber das sei insgesamt noch ein langer Weg, so der Tourismusexperte.