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Einige Unternehmen wollen klimaneutral werden. Aber bislang bleiben die Lieferketten dabei außen vor. Doch CO2-Emissionen entstehen nicht erst in der Fabrik. Je nach Branche sind die Lieferketten für 80 Prozent der CO2-Emissionen von Gütern verantwortlich. Das zeigt eine Studie, an der Klimaexperte Patrick Herhold mitgearbeitet hat.

Patrick Herhold arbeitet für die Boston Consulting Group. Die Unternehmensberatung hat gemeinsam mit dem Weltwirtschaftsforum die Studie Net-Zero Challenge: The supply chain opportunity veröffentlicht.

Darin geht es um die Klimaneutralität von Unternehmen mit Blick auf die Lieferketten, also die "Supply Chains". Dazu zählt alles was es braucht, um ein Produkt zu erstellen und zu verkaufen. Also auch alle Ressourcen und Materialien, Technologien sowie Personen.

Die gesamten Lieferkette ist entscheidend

Die Studie hat acht Branchen genauer untersucht. Dazu gehören zum Beispiel der Bereich Lebensmittel oder das Baugewerbe. Und die Ergebnisse sind eindeutig.

Bei der Produktion zum Beispiel von Konsumgütern wie Autos, Smartphones aber auch im Bereich Nahrung liegen rund 80 Prozent und mehr der CO2-Emissionen in den Lieferketten und den Vorprodukten, sagt Patrick Herhold. Auf die eigentliche Produktion entfällt damit der deutlich geringere Anteil der Emissionen.

"Je nach Sektor liegen rund 80 Prozent der CO2-Emissionen in den Lieferketten."
Patrick Herhold, Boston Consulting Group

Herhold macht das am Beispiel Nestle deutlich, einem der weltweit größten Unternehmen für Konsumgüter. "Nestle hat sechs Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr in den eigenen Fabriken und im eigenen Stromverbrauch. Aber fast 70 Millionen Tonnen entstehen in den Lieferketten und Vorprodukten", sagt Patrick Herhold.

An einem Schokoriegel wird das deutlich: Zur kompletten Lieferkette gehört auch der Anbau von Kakao, die Ernte sowie der Transport. Bereits bei diesen ersten Schritten entstehen CO2-Emissionen, noch bevor in einer Fabrik der Kakao im Schokoriegel landet.

Unternehmen können auf die Lieferanten Einfluss nehmen

Bislang haben die Unternehmen die Lieferketten aber nicht im Blick. Das Klimathema spielt zwar eine wachsende Rolle, aber zunächst ging es vor allem um die CO2-Emissionen in den eigenen Fabriken und der eigenen Produktion. Es wird deshalb Jahre dauern, um entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, sagt Patrick Herhold.

"Die meisten Unternehmen stehen beim Thema Klimaneutralität und Lieferketten am Anfang."
Patrick Herhold, Boston Consulting Group

Die Unternemen können gemeinsam mit den Lieferanten überlegen, wie sie CO2-Emissionen bei der Ressourcengewinnung oder im Transport reduzieren. Im Notfall können sie auch auf andere Lieferanten setzen.

Zahlen zur Klimaneutralität offenlegen

Und auch Politik und Öffentlichkeit fordern nach mehr Transparenz bei der Klimaneutralität. "Die Notwendigkeit Emissionen offenzulegen, steigt", sagt Patrick Herhold. "Vor allem auch von Investoren." Die wollen Risiken vermeiden: Denn Unternehmen mit großen CO2-Emissionen müssen mit staatlicher Regulierung rechnen und/oder auch mit der Kritik der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Patrick Herhold hat auch Vorschläge, um Lieferketten klimaneutral zu machen. Nämlich durch:

  • Recycling
  • Eine Steigerung der Effizienz; zum Beispiel auch indem der Materialverbrauch reduziert wird
  • Energieeinsparungen in der Produktion und beim Transport
  • Umstieg auf erneuerbare Energien, wie Strom aus Wind und Sonne

Entscheidend sei aber auch, dass Unternehmen nicht nur CO2 einsparen, weil sie Kosten sparen wollen, sondern dass sie generell eine "CO2-Sicht" einnehmen.