CO2-Kompensation oder gar klimaneutrales Fliegen – die Ambitionen der Airlines sind groß. Klingt gut. Aber bringt das wirklich etwas, oder ist das nur Marketing und Greenwashing?

Endlich fliegen ohne Flugscham. Das versprechen uns derzeit einige Airlines – und wenn wir ehrlich sind: Klingt doch toll. Wenn es endlich mal so organisiert ist, dass die Umweltbelastung reduziert beziehungsweise ausgeglichen wird.

Einige Fluggesellschaften arbeiten daran, uns künftig "grünes Fliegen" zu ermöglichen. Unter anderem sind das die Lufthansa, British Airways und Easyjet, sagt Johannes Döbbelt, der sich für Deutschlandfunk Nova schon häufiger mit dem Aspekt des klimaneutralen Fliegens auseinandergesetzt hat.

Airlines versprechen CO2-Kompensation

Allerdings gehen die Maßnahmen unterschiedlich weit. Die Lufthansa startet ab dem kommenden Jahr erst einmal nur eine automatische CO2-Kompensation für ihre Flüge. Allerdings nur für ihre Firmenkunden in einem bestimmten Tarif und das auch nur in Europa. In dem Paket ist der CO2-Ausgleich inklusive.

Andere Airlines gehen weiter: British Airways will ab dem kommenden Jahr alle Inlandsflüge in Großbritannien automatisch kompensieren. Und Easyjet hat sogar angekündigt, bald alle Flüge kompensieren zu wollen.

"Kompensieren heißt immer: Das CO2, das bei den Flügen freigesetzt wird, soll woanders wieder eingespart werden, zum Beispiel durch Aufforsten von Wäldern."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Das klingt allerdings besser als es ist. Fragwürdig ist nämlich, wie die Airlines ihre CO2-Kompensation berechnen, sagt Johannes Döbbelt. Easyjet will zum Beispiel pro Tonne CO2 für die Kompensation 3,50 Euro zahlen. Zum Vergleich: Beim Marktführer der Kompensationsanbieter Atmosfair kostet die Tonne CO2 23 Euro.

Unterschiedliche Berechnungen bei CO2-Kompensation

Dass der Betrag so unterschiedlich ausfällt, liegt daran, dass auch die Klimawirkung ganz unterschiedlich berechnet wird, erläutert Johannes Döbbelt. Easyjet und auch Lufthansa rechnen mit dem reinen CO2-Ausstoß ihrer Flugzeuge. Das heißt, sie ermitteln, wie viel CO2 das Flugzeug beim Flug in die Luft bläst und rechnen dann eins zu eins aus, was das Kompensieren kostet.

Andere Kompensationsanbieter berechnen aber noch weitere Aspekte, wie Wasserdampf, Kondensstreifen, Stickoxide und andere Abgase, die das Klima schädigen. "Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass die tatsächliche Klimawirkung des Fliegens zweimal oder sogar dreimal höher ist als der reine CO2-Effekt", sagt Johannes Döbbelt.

CO2-Kompenssation mit Faktor zwei oder drei ist realistischer

Entsprechend rechnen die Kompensationsanbieter mit anderen Faktoren. Bei "Myclimate" ist es der Faktor zwei – bei Atmosfair ist es der Faktor drei. Deutlich wird das an einem Beispiel: Bei einem Lufthansa-Flug von Frankfurt nach Bangkok, hin und zurück, kostet die Kompensation bei Atmosfair ungefähr 100 Euro. Wenn wir den Flug direkt über die Lufthansa-Webseite kompensieren, kostet das nur 24 Euro.

Investitionen in nachhaltiges Kerosin oder Elektroflugzeuge sinnvoll?

Die Airline British Airways geht noch einen Schritt weiter und will bis 2050 komplett klimaneutral werden. Hier soll neben der CO2-Kompensation auch in effizientere Flugzeuge investiert werden. British Airways will sogar 400 Millionen Dollar in die Entwicklung von "nachhaltigem Kerosin" stecken. Dieser Treibstoff soll zukünftig aus Haushalts-Müll gewonnen werden. Und Easyjet arbeitet zusammen mit Airbus und anderen Airlines an der Entwicklung von Hybrid- und Elektroflugzeugen.

Das Problem bei beiden Ideen ist aber, dass derzeit noch gar nicht klar ist, ob das in den nächsten 20 oder 30 Jahren wirklich funktionieren und auch effizienter und günstiger sein wird als das ganz normale Fliegen mit fossilem Kerosin.

Mirko Hornung ist Vorstand der Forschungseinrichtung "Bauhaus Luftfahrt" und sagt: "Von großen Elektro-Flugzeugen sind wir noch sehr weit entfernt."

"Für ein großes Verkehrsflugzeug brauche ich große Leistung. Dafür muss ich genügend Energie in den Batterien speichern können. Und die müssen möglichst leicht sein."
Mirko Hornung, Vorstand der Forschungseinrichtung "Bauhaus Luftfahrt"

Nach derzeitigem Stand sind die Batterien, die genug Energie speichern können, damit ein Flugzeug abheben und den Flug schaffen kann, noch viel zu schwer und zu groß. Die Forschung ist schlicht noch nicht so weit. Und derzeit wissen wir auch nicht, ob sie in ein paar Jahren so weit sein wird.

Die Vorhaben der Airlines sind also allenfalls ambitioniert oder klingen zumindest gut. Ob sie ihr Versprechen halten können, dass wir ohne Flugscham fliegen können, ist letztlich eine Gewissensfrage. Von klimaneutral sind sie jedenfalls weit entfernt.