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Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen vertritt auch Unternehmen, die Einfamilienhäuser bauen. Trotzdem fordert dessen Chef: In manchen Regionen sollten sie nicht mehr erlaubt werden.

Andreas Breitner ist Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben fast 400
Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. In den von ihnen verwalteten Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen.

Mehr Klimaschutz beim Hausbau

Der Verbandschef ist SPD-Politiker und war von 2012 bis 2014 Innenminister in Schleswig-Holstein, bevor er 2015 Direktor des Wohnungsverbands wurde. Er sagt: Beim Thema Wohnen sollten wir mehr auf Klimaschutz achten.

Im Gespräch mit DeutschlandfunkNova-Moderator Till Haase plädiert Andreas Breitner für mehr Mehrfamilien- als Einfamilienhäuser, vor allem wegen des geringeren Flächenverbrauchs. Dass es wichtig sei, möglichst wenig Fläche zu versiegeln, zeige auch die Hochwasserkatastrophe: "Wenn Wasser nicht versickern kann, sucht es sich seinen Weg."

Till Haase: Herr Breitner, für Sie ist das wahrscheinlich leicht gesagt mit der Forderung nach weniger Einfamilienhäusern. Ihr Wohnungsverband baut ja eher Genossenschaftswohnungen?

Andreas Breitner: Unsere Mitgliedsunternehmen sind auch in der Entwicklung von Einfamilienhausgebieten aktiv. Aber Sie haben Recht. Die große Linie sind Mehrfamilienhäuser.

Was haben die Mitglieder, die Einfamilienhäuser bauen, oder auch Ihr Bundesverband, denn zu Ihrem Vorstoß gesagt?

Noch nicht viel. Ich glaube, die erholen sich gerade noch davon. Das warte ich jetzt erst einmal ab. Aber darüber nachdenken, das sollten wir auf jeden Fall.

Was hat sie denn zu diesem Vorstoß bewegt, den Bau von Einfamilienhäusern zu erschweren?

Es ist notwendig. Der aktuelle Weltklimabericht zeigt es. Wir tragen ja mehr Verantwortung als nur für den Wohnungsbau, wir sind alle irgendwie Teil der Gesellschaft, haben Kinder.

Ich finde, es ist wirklich an der Zeit, dass jeder für sich persönlich, aber auch in seinem Beruf überlegt, was er dazu beitragen kann, dass wir diese Bedrohung durch den Klimawandel ein Stück weit abwenden können, und darüber haben wir nachgedacht.

Wir müssen zum Beispiel den Flächenfraß in Deutschland stoppen. Ausgangspunkt war der Bezirk Hamburg-Nord, der ist stärker verdichtet als Kiel und Lübeck zusammen. Da braucht es keine Einfamilienhäuser, da müssen wir einfach effizienter wohnen.

Was ist denn eigentlich das Problem? Dass Einfamilienhäuser energieintensiv sind? Oder eher, dass man viel Fläche versiegelt, weil man in die Breite baut und nicht nach oben?

Das ist eine Mischung aus allem. Die Ökobilanz des Einfamilienhauses ist schlechter als die des Mehrfamilienhauses. Aber mir geht es speziell um den Flächenfraß, um die Versiegelung von Flächen.

Nicht zuletzt die Flutkatastrophe, die wir gerade erlebt haben, hat gezeigt, was passieren kann. Wenn Flächen versiegelt sind, nehmen sie das Wasser nicht auf, das Wasser sucht sich dann seinen Weg.

Es macht schon Sinn, mal darüber nachzudenken, ob wir in Deutschland weiter 57 Hektar pro Tag unserer Fläche versiegeln. Wir haben uns mal international verpflichtet, nur 30 Hektar pro Tag zu versiegeln. Jetzt sind es 57. Das ist doch Wahnsinn.

(Anm. d. Red.: Laut Umweltbundesamt lag die Flächenversiegelung in Deutschland im Jahr 2017 bei 58 Hektar pro Tag. Für 2019 werden 52 Hektar angegeben.)

Wie könnte man Ihre Forderung nach weniger Flächenversiegelung, also auch weniger Einfamilienhäuser, in die Politik kriegen, ohne dass alle einem direkt aufs Dach steigen?

Wir haben jetzt Wahlkampf, deshalb warten wir erst einmal ab. Wir haben jetzt einen Stein ins Wasser geworfen und beobachten interessiert die Wellen. Und wir werden nach der Bundestagswahl, je nachdem, wer da die Verantwortung in Berlin hat, mit Sicherheit in diese Richtung einen Vorstoß unternehmen.

Es geht ja nicht darum, dass irgendetwas verboten werden soll, sondern es geht ausschließlich darum, sich zu fragen, ob das der richtige Weg ist oder ob wir nicht insgesamt in Deutschland in allen gesellschaftlichen Bereichen umsteuern wollen.

Was tun Sie gerade als Verband?

Wir machen viel im Bereich energetische Sanierung, wir dichten und dämmen wie die Wilden. Wir kümmern uns darum, dass die richtige und möglichst saubere Energie auch in die Häuser kommt. Da werden Milliarden investiert von unseren Mitgliedsunternehmen, und wir kümmern uns auch um Grünflächen. Wir wollen auch stärker verdichten und weniger am Rande der Stadt bauen.

Ich vertrete auch Unternehmen, die ihre Bestände behalten und nicht spekulieren mit Häusern oder Grundstücken. Ich meine, dass die mit großer Verantwortung vorgehen, weil die wissen, dass alle Fehler, die sie machen, sie irgendwann wieder einholen.