Der Bundestag hat beschlossen, Moore umfangreicher zu schützen. Die Naturgebiete bieten vielen Lebewesen ein Zuhause, sie binden sehr viel CO2 und spielen im Kampf gegen den Klimawandel eine wichtige Rolle.

Das Bundeskabinett hat eine Moorschutzstrategie unterzeichnet. Bundesumweltministerin Steffi Lemke erklärt: "Moore, die für die Landwirtschaft trockengelegt wurden, gasen CO2 aus und tragen mit 7,5 Prozent zu den CO2-Emissionen Deutschlands bei. Wir wollen umsteuern und Moore schützen."

Moore sind also essenziell im Kampf gegen den Klimawandel. In Zukunft sollen Moorflächen gewinnen, wenn es zum Beispiel darum geht, neue Wohnungen zu bauen. Die Strategie betrifft aber auch ehemalige Moore, die inzwischen landwirtschaftlich genutzt werden. Landwirtinnen und Landwirte sollen mithelfen, damit die Moore wiedervernässt werden können.

"Alle Pflanzen binden CO2, aber die meisten Pflanzen geben das CO2 wieder ab, wenn sie verrotten. In Mooren wird mehr Biomasse produziert als abgebaut wird."
Hans Joosten, Forscher an der Uni Greifswald

Moore binden doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde

Moore binden extrem viel Kohlenstoff ­– doppelt so viel wie alle Wälder der Erde. Und das, obwohl gerade mal 3 Prozent der Welt Moorgebiete sind. Wälder wachsen hingegen auf 30 Prozent der gesamten Landfläche.

Grundsätzlich binden alle Pflanzen CO2, aber die meisten Pflanzen geben das CO2 wieder ab, wenn sie verrotten. In Mooren wird mehr Biomasse produziert als abgebaut wird. Infolgedessen sammelt sich diese Masse zu Schichten von organischem Material an, dem Torf. Moore nehmen Pflanzenreste auf, bevor sie verrotten können und speichern so das CO2, bevor es in die Atmosphäre gelangt.

Wenn Moore trockengelegt werden, nehmen sie nicht nur kein CO2 mehr auf, sondern sie setzen auch das bisher gespeicherte CO2 wieder ab. Seit vielen Jahren werden die für die Natur so wichtigen Flächen trockengelegt, zum Beispiel, um an den Torf zu kommen. Torf wird unter anderem für die Herstellung von Blumenerde verwendet.

Blumenerde enthält meist immer noch Torf

Zwar gibt es inzwischen torffreie Blumenerde, doch Torf wird noch immer abgebaut. Fast alle Gemüse- und Pflanzensorten sowie Obstbäume werden auf Torf großgezüchtet, sagt Hans Joosten. In Deutschland werden allein dafür acht Millionen Kubikmeter Torf pro Jahr benötigt.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag sagt, dass nur auf 1 Prozent der trockengelegten Moore Torf abgebaut. Die restlichen Flächen werden etwa für Wohnungsbau genutzt. "Beispielsweise stehen Teile von Berlin auf trockengelegten Mooren. Auf dem größten Teil der trockengelegten Moore sind aber heute Wälder."

Die Fläche der Moore geht zurück

Im Laufe der Jahrhunderte ging die Fläche mit Mooren zurück. So gab es Schätzungen zufolge vor 200 Jahren noch zwei Millionen Hektar Moorböden in Deutschland. Die Fläche entspricht etwa der Größe Sachsen-Anhalts.

Die Regierung stellt nun als Anreiz vier Milliarden Euro zur Verfügung für das "Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz". Die sollen unter anderem als Förderprogramme für Landwirt*innen genutzt werden, denn die können die Gebiete dann nicht mehr so nutzen wie bisher.

Stattdessen könnten auf den wiedervernässten Moorflächen Pflanzen kultiviert werden, die mit den nassen Böden klarkommen. Paludikultur nennt sich die landwirtschaftliche Nutzung von Moorstandorten. Zum Beispiel kommen Schilf oder Rohrkolben mit feuchten Böden gut zurecht. Diese Pflanzen können als Bau- oder Dämmmaterial verwendet werden.

Eine andere Nutzungsmöglichkeit ist es, auf die wiedervernässten Moorflächen Wasserbüffel statt Rinder zu halten. Um etwa gleichviel Geld wie vorher mit den Flächen einzunehmen, könnten Landwirt*innen auch Photovoltaikanlagen auf die Moorböden stellen.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter