Baumsterben ist keine Seltenheit mehr. Der Bericht des Global Tree Assessment zeigt nun einmal mehr, wie sehr unsere Wälder vom Klimawandel bedroht sind und wo akut Aufbauhilfe geleistet werden muss.

17.000 Baumarten – nicht einzelne Bäume – sind laut einem neuen Bericht des Global Tree Assessments, einer Organisation bestehend aus der Weltnaturschutzunion, Forschenden aus botanischen Gärten, Universitäten und der Forstwirtschaft, vom Aussterben bedroht.

Das Global Tree Assessment bewertet, wie es um die Arterhaltung aller bekannten Baumarten weltweit steht. Derzeit gibt es 60.000 Baumarten. Für den neuen Bericht haben die Forschenden fünf Jahre lang Daten gesammelt und ausgewertet.

Viele Baumarten können nicht genau erfasst werden

Verglichen mit der Anzahl der vom Aussterben bedrohten Landwirbeltierarten ist die Anzahl der bedrohten Baumarten doppelt so hoch, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Polke. Und es könnten noch mehr sein. Denn von fast einem Fünftel aller Baumarten wissen die Forschenden nicht genau, wie viele Exemplare es noch von ihnen gibt, weil sie an schwer zugänglichen Orten wachsen.

"17.000 Baumarten – das ist fast doppelt so viel wie die vom Aussterben bedrohten Landwirbeltierarten. Das muss man sich mal reinziehen."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Von 40 Prozent der Baumarten ist sichergestellt, dass es noch genügend Exemplare gibt. Von anderen Arten wie beispielsweise dem Karomia gigas in Tansania gibt es laut der Forschenden nur noch sechs Exemplare.

Landwirtschaft als größter Bedrohungsfaktor

Der Bericht zeigt auch: Die meisten Baumarten sind durch die Landwirtschaft bedroht. Große Flächen werden gerodet, damit die sie für den Nahrungsmittelanbau genutzt werden können. Vor allem die Regenwälder sind hier stark betroffen.

"Die meisten Baumarten gehen für Landwirtschaft drauf – also durch Rodung, um Fläche zu gewinnen für Nahrungsmittelanbau – Obst, Gemüse, Getreide und Nutztierzucht."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Andere Bäume werden für die Holzgewinnung gerodet – Mahagony oder Rosenholz beispielsweise. Zudem wird an den Orten abgeholzt, an dem Wohnraum für Menschen geschaffen werden soll.

Die Rolle des Klimawandels wird immer größer

Auch der Klimawandel spielt beim Baumsterben eine immer größere Rolle. Durch die häufiger auftretenden Wetterextreme und die daraus folgenden Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Waldbrände werden ebenfalls viele Baumarten zerstört. Auch der steigende Meeresspiegel ist für einige Baumarten eine Bedrohung.

Der Bericht zeigt allerdings auch auf, welche Bäume schon in geschützten Gebieten oder botanischen Gärten stehen und wo es bereits Baumsamenbanken gibt. So wird im Umkehrschluss deutlich, wo noch mehr mit gezielten Aktionen wie der Errichtung von Naturschutzgebieten und dem Wiederaufbau von Ökosystemen getan werden muss, so die Forschenden.