Mehr Regentage können der Wirtschaft schaden. In reicheren Ländern sogar stärker als in ärmeren, das ist das Ergebnis einer deutschen Studie.

Der Klimawandel macht der Wirtschaft in vielen Teilen der Welt sehr zu schaffen. Für die betroffenen Menschen bedeutet das: Sie können nicht arbeiten, weil es zu heiß ist, sie verlieren ihre Heimat oder ihr Haus an eine Naturkatastrophe oder ihre Lebensgrundlage verschwindet, weil zum Beispiel ein See austrocknet oder Schädlinge die Ernte auffressen.

Wie groß die Schäden durch den Klimawandel genau sind – und was da noch auf uns zukommt, das versuchen Forschende schon seit mehreren Jahren herauszufinden. Ein Forschungsteam aus Deutschland hat den Effekt von Regen auf das Wirtschaftswachstum nun genauer berechnet.

Daten wurden regional ausgewertet

Um den Zusammenhang zu ermitteln, haben sich die Forschenden die Daten für Niederschläge und für das Wirtschaftswachstum im Zeitraum zwischen 1979 bis 2019 angesehen.

Dabei haben sie nicht die Daten ganzer Länder ausgewertet, sondern sich den Effekt detaillierter, das heißt regionaler, angesehen. Denn Landesgrenzen sind für die Auswertung von Regen und Schneefall irrelevant. Aus den Datensätzen haben die Forschenden dann statistische Zusammenhänge errechnet.

Mehr Regentage führen zu weniger Wirtschaftswachstum

Die Forschenden sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es kein Problem darstellt, wenn in einem Jahr mit durchschnittlich vielen Regentagen überdurchschnittlich viel Regen fällt. Problematisch wird es erst ab dem Zeitpunkt, wenn es mehr Regentage gibt als in einem durchschnittlichen Jahr.

Auch Extrem-Ereignisse schaden der Wirtschaft erheblich. Wenn also an einzelnen Tagen extrem viel Regen fällt – wie zum Beispiel im vergangenen Sommer hier in Deutschland, als große Teile des Ahrtals überschwemmt wurden.

"Wenn es in einem Jahr etwas nasser ist als in einem anderen, dann muss das nicht zu einem wirtschaftlichen Einbruch führen. Gerade für die Landwirtschaft kann das sogar ganz gut sein, wenn die Pflanzen mehr Feuchtigkeit kriegen."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Drei Wirtschaftssektoren haben sich die Forschenden angesehen: das produzierende Gewerbe, die Dienstleistungsbranche und die Landwirtschaft. In den Industrieländern sind Dienstleistungen und Produktion wirtschaftlich besonders wichtig. Diese Sektoren leiden besonders unter mehr nassen Tagen und extremen Niederschlagsereignissen.

Mehr Regentage: Höhere wirtschaftliche Einbrüche in reicheren Ländern

Solche Schäden treffen reiche Industrie-Länder stärker als arme Länder, sagen die Studienautorin und die -autoren. Die Studie zeigt diesen Effekt ganz anschaulich: Sowohl Extrem-Regen oder Schneefall als auch der Anstieg der Regentage führen in reicheren Industrieländern zu größeren wirtschaftlichen Einbrüchen.

"Warum das so ist, darüber kann man spekulieren: Wenn zum Beispiel ein Sommer verregnet ist, gehen weniger Leute ins Restaurant oder shoppen."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Ob Niederschläge für die Landwirtschaft einen negativen Effekt haben können, hängt sehr davon ab, wann innerhalb eines Jahres der Niederschlag fällt. Extreme Schneefälle im Dezember machen beispielsweise weniger aus als drei Tage andauernde heftige Regenfälle im August.

Welchen Effekt beispielsweise mehr Regen zur falschen Zeit hat, – also dann, wenn es eigentlich trocken sein sollte – das wurde in dieser Studie nicht berechnet. Eine mögliche Aufgabe für eine Folgestudie, die dann gerade für die Landwirtschaft auch genauere Aussagen treffen könnte, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries.

Die jetzt vorliegende Studie wird besonders für Forschende relevant sein, die versuchen, die Kosten des Klimawandels zu berechnen. In solchen Berechnungen wird dann nicht nur die Frage, wie viel es geregnet hat, eine Rolle spielen, sondern auch die Zahl der Regentage.