Durch den Klimawandel steigen die Temperaturen auch auf Grönland. An der Westküste der Insel bereits um zwei Grad. Begehrte Rohstoffe – Metalle, die in Mobiltelefonen und Lasern stecken – werden leichter zugänglich, wenn das Eis schmilzt. Die Baubranche interessiert sich auch zunehmend für den knapper werdenden Rohstoff Sand, der auf der Insel zu finden ist.

Die größte Insel der Erde beherbergt bisher nur 56.000 Einwohner. Wenn wir nach der Einwohnerzahl gehen, leben hier nicht mehr als vergleichsweise in den Städten Görlitz oder Meerbusch. Geografisch gesehen wird die Insel zu Nordamerika gerechnet, geologisch zur arktischen Teilregion Nordamerikas gezählt. Politisch betrachtet, ist Grönland ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark.

"Diese großen Mineral-Lagerstätten wurden bereits Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt. Es hieß schon oft, sie stünden kurz vor der Erschließung."
Minik Rosing, Geologe mit grönländischen Wurzeln

Viele seiner Bewohner verdienen ihr Geld in der Fischerei-Industrie und in der Verwaltung. Daneben gibt es einige Dutzend Bauern, vor allem Schafzüchter, und der Tourismus spielt zunehmend eine größere Rolle. Außerdem leben 600 Studierende auf der Insel, die an der Universität in der Hauptstadt Nuuk eingeschrieben sind, sagt Wissenschaftsjournalist Volker Mrasek.

Klimawandel bringt Veränderungen auf Grönland

Die Arktis ist eine Region, die sich besonders schnell erwärmt und das bekommt auch Grönland zu spüren, sagt Volker Mrasek. Durch den Klimawandel verändern sich unterschiedliche Bereiche, die für das Leben und die Wirtschaft der Insel eine Rolle spielen, sagt der Wissenschaftsjournalist:

Klima:

  • Gletscher-Schmelzraten haben sich drastisch erhöht und 2019 einige Höchstwerte erreicht.
  • Temperaturen steigen, vor allem an der Westküste (bisher um 2° Grad Celsius, die Prognosen liegt bei einer Erhöhung um 4° Grad Celsius und mehr).

Wirtschaft:

  • Die Energiewirtschaft macht größere Gewinne: Grönland betreibt mehrere Wasser-Kraftwerke und nutzt die Schmelzwasserabflüsse.
  • Landwirtschaft: Die Vegetationsperiode wird länger, es wird prognostiziert, dass die Schafbestände zunehmen und auch mehr Rinderzucht betrieben wird.
  • Das Klima wird voraussichtlich unberechenbarer – zuletzt gab es einige sehr trockene Sommer, durch brennendes Grasland wurde das Futter für das Vieh knapper.

Auswirkungen auf die gesamte Erde:

  • Schmelzendes Eis lässt Meeresspiegel ansteigen.

Vermutlich Millionen Tonnen von seltenen Metallen

In den letzten Jahren interessieren sich Unternehmen besonders für die Lagerstätte Kvanefjeld an der Südspitze Grönlands, die vermutlich Millionen Tonnen von seltenen Erden, vor allem Metalle, die für den Bau von Mobiltelefonen, Lasern und Supraleitern benötigt werden. Erst 2009 hat Grönland das Recht erworben, Mineralvorkommen selbst zu verwalten und damit Gewinne zu erzielen. Auch ausländische Firmen sind aktiv geworden: Ein australisches Unternehmen hat bereits einige Millionen Euro investiert, sagt Volker Mrasek. Das müsse aber noch nichts heißen, fügt der Wissenschaftsjournalist außerdem noch hinzu.

Aktivisten protestieren jetzt schon wegen der ökologischen Auswirkungen, weil das mineralische Gestein in Kvanefjeld auch Uran enthalten soll. Volker Mrasek hat mit der dänischen Geografin Mette Bendixen und dem Geologen Minik Rosing darüber gesprochen. Sie sagen, dass die Mehrzahl der Grönländer der Entwicklung einer grönländischen Rohstoff-Industrie positiv gegenüber stehe, weil sie die wirtschaftlichen Chancen sehe.

"Bergbau-Aktivitäten werden sicherlich in Zukunft eine größere Rolle spielen. Aber ich denke nicht, dass sie sich jemals zur Haupteinnahmequelle für Grönland entwickeln."
Minik Rosing, Geologe mit grönländischen Wurzeln

Der Geologe Minik Rosing geht davon aus, dass Bergbau-Aktivitäten in Zukunft zwar für Grönlands Wirtschaft wichtiger werden, er denkt aber nicht, dass sich der Abbau von Metallen und seltenen Erden zu einer Haupteinnahmequelle für Grönland entwickeln wird.

Sand als Rohstoff für den Export

Weil der Bau-Grundstoff Sand weltweit knapper wird, kann sich die dänische Geographin Mette Bendixen vorstellen, dass Grönland anfängt, die Fjord-Sedimente abzuschöpfen und diese zu exportieren.

Ein Vorteil bei der Gewinnung: Grönland muss keinen aufwendigen Bergbau betreiben, um den Sand zu heben. Einfach ausbaggern genügt, sagt Volker Mrasek. Aber auch hier bestehe die Frage, ob sich das alles wirklich rechnet. Die Regierung hat inzwischen eine Task Force Sand eingesetzt, die untersuchen soll, ob sich das Geschäft lohnt und wie es sich ökologisch auswirken könnte.