Ah klasse: Klimaerwärmung in Deutschland. Es wird wärmer, wir haben ganz viel hitzefrei und liegen am See. Der Merlot wächst vor unserer Haustür - und wir haben jede Menge Sonnenschein für unsere photovoltaischen und photothermischen Anlagen.

Klar, in anderen Teilen der Welt sieht das anders aus: In Bagdad wurden Mitte Juli 2016 schon 50 Grad im Schatten gemessen, in anderen Teilen des Irak 53 Grad. 53 Grad! Nächtliche Abkühlung bedeutet dort: 32 Grad. Eine Temperatur, die wir als heiß empfinden. Wenn wir also die Erwärmung des Klimas wirklich, wie im Dezember 2015 in Paris beschlossen, auf 1,5 Grad beschränken wollen – dann wird’s allerhöchste Zeit, den eigenen Umgang mit Energie zu überdenken. Und – zu handeln. Aber... was genau sollten wir machen?

Online-Kampagne und Energiesparkonten

Im Digitalen Salon besprechen wir "Fragen zur vernetzen Gegenwart" – und so lautete der Titel am 27. Juli 2016 "Am warmen Polar. Klimawandel online." Wir hatten drei Menschen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema eingeladen:

Tanja Loitz ist Geschäftsführerin bei CO2online. Das gemeinnützige Unternehmen informiert im Netz und analog, wo und wie ich in meinem Haushalt oder meiner Firma Energie einsparen kann. Der Anreiz für viele Nutzerinnen und Nutzer ist ganz einfach: das Geld. Mehr als 90.000 Menschen nutzen laut CO2online das von den Beratern erstellte "Energiesparkonto". Mithilfe dieses Kontos kann ich nachvollziehen, wie viele Euro ich jetzt schon wieder eingespart habe, durch die neue LED-Lampe oder die neue Spülmaschine.

"Diese Handlung muss ja offline stattfinden. Da findet nicht 'I like' und 'Ich bin dabei' statt. Ich frag mich immer: Die, die bei uns einen Artikel liken, wer von denen macht denn dann etwas?"

Wie Tanja hat auch Tadzio Müller Politikwissenschaften studiert, Schwerpunkt: Soziale Bewegungen. Er ist Aktivist. Ob beim Schottern der Bahngleise, auf denen der Castortransport gerollt ist oder bei der Aktion "Ende Gelände" im Mai 2016, als ein Braunkohle-Tagebau in der Lausitz besetzt wurde – bei solchen Aktionen mischt er mit.

Seine Brötchen verdient er als Referent für Klimagerechtigkeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Wie das Wörtchen "Klimagerechtigkeit" schon sagt: Tadzio sieht Fragen zu Klima, Umwelt, Energie als soziale Fragen. Die taz hat ihm mal attestiert, "über das gewisse Dutschke-Pathos" zu verfügen. Müller sei "sowas wie der Eventmanager einer ernst zu nehmenden Angelegenheit". Oha!

"Wir können über interessante, nutzerorienierte Anwendungen von Internettechnologie reden. Das ist ein Thema. Oder: Wir können über Klimagerechtigkeit reden."
Tadzio Müller, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Der Dritte in der Runde war Hendrik Send: Hendrik hat zum Thema Ideen-Generierung im Internet promoviert. Für die Hochschule Anhalt hat er gemeinsam mit einem Kollegen den Studiengang "Online-Kommunikation" entwickelt – der "Spiegel" beschrieb die beiden als die "Blues Brothers des Internetzeitalters".

"Ich bin null Aktivist und vielleicht müssen wir das heute abend noch ändern."
Hendrik Send, Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft

Am HIIG, dem Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, ist Hendrik Send der Projektleiter Forschung. Die RWE-Stiftung fördert das Projekt "Smart Energy User Innovation", in dem er gemeinsam mit einem Kollegen von der technischen Universität Berlin "die Aktivität von Nutzerinnovatoren im Bereich Smart Energy in Deutschland" untersucht.

Mehr zum Thema:

Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderator: Katja Weber
  • Diskussionsteilnehmer:: Tanja Loitz, Geschäftsführerin CO2online | Dr. Tadzio Müller, Referent für Klimagerechtigkeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung | Prof. Hendrik Send, Projektleiter Forschung am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft