Nicht alle für Versuche gezüchteten Tiere, werden auch tatsächlich für Versuche gebraucht. Rund 2,6 Millionen Tiere sind 2021 in Deutschland überzählig gewesen. Immerhin werden sie jetzt statistisch erfasst.

Erstmalig weist eine offizielle Statistik nun auch die Tiere aus, die in Deutschland zwar für Versuche gezüchtet, dann aber ohne unmittelbaren Nutzen für die Forschung getötet werden. Rund 2,6 Millionen Tiere waren es der Statistik des Bundesinstituts für Risikobewertung zu folge.

"Es sind tatsächlich rund 2.550.000 Tiere, die für Versuche gezüchtet, aber dann nicht eingesetzt und trotzdem getötet werden."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Weitere insgesamt rund 2,5 Millionen Tiere sind im gleichen Zeitraum für Versuche eingesetzt worden – oder ihnen sind Organe oder andere Gewebeproben für Versuche entnommen worden.

Überzählige Mäuse

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler nennt einige Gründe, warum so viele Tiere zwar gezüchtet, dann aber nicht verwendet werden. Überwiegend geht es um Mäuse:

  • Manche sind zu alt geworden.
  • Weibliche Tiere werden häufig aussortiert.
  • Viele haben nicht die gewünschten genetischen Eigenschaften
"Der größte Anteil von überzähligen Tieren entsteht im Rahmen der Zucht von genetisch modifizierten Tieren, im Speziellen von der Maus, weil die Versuchsmaus die häufigste Tierart in der Verwendung ist."
Gilbert Schönfelder, Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren beim Bundesinstitut für Risikobewertung

Bei der Zucht von Mäusen wachsen stets auch viele Nachkommen heran, die die genetischen Wunscheigenschaften nicht haben. "Das bringen einfach die Vererbungsregeln mit sich", erklärt Sophie Stigler.

Sind die überzähligen Tiere erstmal in der Welt, müssen die Forschenden zwar versuchen, die Tiere unterzubringen. Dafür gibt es Online-Börsen für Versuchstiere oder einzelne ihrer Organe.

Tiere als Futter

Ansonsten können die Tiere auch an Privatleute oder zur Verfütterung an Zoos und Falknereien abgegeben werden. Das gilt aber nur für den kleineren Teil der Tiere, deren Genpool nicht künstlich verändert worden ist.

"Die Tiere müssen, wenn sie nicht in Forschung verwendet werden, verbrannt werden."
Sophie Stigler über genetisch-veränderte und überzählige Versuchstiere

Die Zahl der überzähligen Tiere könnte in Zukunft sinken, vermutet Sophie Stigler. Neue Methoden könnten die Zucht effizienter machen, zum Beispiel das CrisprCas-Verfahren.

Insgesamt könnte die Zahl der gezüchteten Tiere auch dann sinken, wenn bei Standard-Tests vermehrt Zellkulturen und allgemein Alternativen zu Tierversuchen eingesetzt werden. Diese eignen sich jedoch nur für einige speziellere Versuche.

"Für manche Versuche braucht man immer noch ganzen Organismus. Das klappt aktuell nur mit Tierversuchen."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
  • Moderation:  Niklas Potthoff
  • Gesprächspartnerin:  Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin